Wirtschaft : Germanwings wächst in Schönefeld

Lufthansa-Tochter weist Subventionsvorwürfe zurück/Rewe trennt sich von LTU

Bernd Hops

Berlin - Der Billigflieger Germanwings erwartet ein starkes Wachstum in Berlin. In diesem Jahr rechne die Lufthansa-Tochter in der Hauptstadtregion mit 1,5 Millionen Passagieren, sagte Joachim Klein, Germanwings-Geschäftsführer, am Mittwochabend in Berlin. 2005 waren es noch 880 000. Insgesamt erwarte Germanwings 7,3 bis 7,5 Millionen Passagiere – rund zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Sehr gut liefen die Angebote Richtung Osteuropa, etwa nach Moskau. Zum Winterflugplan solle das Berliner Angebot durch zusätzliche Flüge ausgebaut werden. Außerdem werde für den Winter „ernsthaft“ über die Stationierung einer weiteren Maschine in Schönefeld nachgedacht, sagte Klein. Die Entscheidung werde in den nächsten zwei bis drei Wochen gefällt.

Germanwings, deren Mutter Eurowings zu 49,1 Prozent der Lufthansa gehört, fliegt seit dem Jahr 2003 die Hauptstadt an. Im ersten Jahr gab es 304 000 Fluggäste. Schon bald wechselte Germanwings vom überfüllten Flughafen Tegel nach Schönefeld. Es sei ein Wagnis gewesen, sagte Geschäftsführer Klein, aber die richtige Entscheidung. „Wir sind nach wie vor in Schönefeld sehr zufrieden.“ Seit gut einem Jahr hat die Gesellschaft hier auch fest zwei Flugzeuge stationiert. Durch größere Maschinen und zusätzliche Flüge wurde das Angebot immer weiter vergrößert.

Ursprünglich sollte der Standort aber noch schneller ausgebaut werden. Doch nach Branchengerüchten, der britische Konkurrent habe ein Auge auf den Hamburger Markt geworfen, eröffnete Germanwings auch dort eine Basis – mit ebenfalls zwei Fliegern. Größter Standort ist nach wie vor Köln/Bonn mit zwölf Flugzeugen, gefolgt von Stuttgart mit sechs Maschinen.

Klein wies die jüngst wieder von Easyjet erhobenen Vorwürfe zurück, Germanwings erhalte Quersubventionen von der Lufthansa. Für alle Dienstleistungen von Lufthansa-Töchtern etwa bei der Wartung würden marktübliche Preise gezahlt. Zu möglichen Akquisitionen wollte Klein sich nicht äußern.

Dass der Billigfliegermarkt in Bewegung ist, zeigt die LTU. Die Handelsgruppe Rewe verkaufte ihren Anteil von 40 Prozent an der Fluggesellschaft an die Intro Verwaltungs GmbH, die dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl gehört. Das wurde Donnerstag bekannt. Damit hält Wöhrl 76 Prozent an der LTU. Er hat bereits den Billigflieger dba saniert. In einem Brief stimmt er nun die LTU-Belegschaft nach Handelsblatt-Informationen auf Einschnitte ein. Die Geschäftsführung werde „das vorgestellte sanfte Sanierungskonzept nicht weiter verfolgen“, heißt es dort.

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