Wirtschaft : Gerster-Berater Berger fürchtet um seinen Ruf

Partner Jobst Fiedler vermutet gezielte Indiskretionen bei Aufträgen der Bundesagentur für Arbeit

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Berlin (asi). Die Spekulationen um den Rücktritt des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, haben nun auch negative Folgen für das Beratungsunternehmen Roland Berger. „Wir werden Opfer einer krassen Reputationsschädigung“, sagte der für das öffentliche Geschäft verantwortliche BergerPartner Jobst Fiedler dem Tagesspiegel am Donnerstag. Durch „gezielte Indiskretionen“, so Fiedler, seien Anfang dieser Woche Informationen über zwei Aufträge seines Beratungsunternehmens mit der Bundesagentur (BA) an die Öffentlichkeit gelangt, die „ein ganz falsches Bild abgeben“.

Gerster steht seit zwei Monaten wegen umstrittener Beraterverträge in der Kritik. Im November war bekannt geworden, dass Gerster einen Beratervertrag im Volumen von fast 1,5 Millionen Euro rechtswidrig ohne Ausschreibung an WMP Eurocom vergeben hatte. Interne BA-Ermittler prüfen seither 48 Verträge mit externen Dienstleistern. Bei mindestens drei weiteren Verträgen sollen dabei Zweifel an deren Rechtmäßigkeit aufgekommen sein. In einem Zwischenbericht hieß es, drei Aufträge der BA, zwei an Roland Berger und einer an IBM, seien ohne Ausschreibung vergeben worden, allerdings ohne Mitwissen Gersters.

Berger-Partner Fiedler versicherte, dass die beiden Anschlussaufträge der BA an Roland Berger, die die interne Revision der Bundesagentur gerade untersucht, „in voller Übereinstimmung“ mit den Vorschriften zur Ausschreibung von Leistungen vergeben worden. Fiedler zeigte sich sicher, dass auch die Revision in ihrem Abschlussbericht, der am Freitag vorliegen soll, zu diesem Ergebnis kommen wird.

Sollte sich das bestätigen, würden die sachlichen Gründe für einen Rücktritt des BA-Chefs Gerster in sich zusammenfallen. Der Verwaltungsrat der BA will an diesem Sonnabend in Nürnberg zusammenkommen, um die Prüfergebnisse der Revision zu bewerten. Bei einer Sondersitzung soll das Präsidium des Verwaltungsrates bereits am Dienstagabend Gerster das Misstrauen ausgesprochen haben. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) will seine Entscheidung über den Verbleib Gersters im Amt vom Votum des Verwaltungsrates am Wochenende abhängig machen. Dass bereits jetzt ein Nachfolger für Gerster gesucht werde, bezeichnete der Minister am Donnerstag als „Quatsch“.

Bei den beiden Aufträgen an das Beratungsunternehmen Roland Berger handelt es sich laut Fiedler um „kleine Projektaufstockungen“, die im Mai 2003 als „Vertragsergänzungen“ in einen Beratungsauftrag aufgenommen wurden, den Berger am 8. Januar 2003 nach viermonatiger europaweiter Ausschreibung erhalten habe. In diesem Ursprungsauftrag mit einer Laufzeit von zwei Jahren sei Berger mit der Erarbeitung und Umsetzung eines Konzeptes zur Neugestaltung der Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen und der modernen Leistungsabrechnung beauftragt worden. Erst nach Auftragsvergabe, so Fiedler, sei der BA aufgefallen, dass die Neu-Organisation der Kindergeldberechnung und der Arbeitsmarktinspektion (vor allem gegen Schwarzarbeit) nicht losgelöst vom Aufbau der neuen Arbeitsamtsstrukturen gesehen werden könne. Deshalb habe Berger diese zwei Anschlussaufträge erhalten. Mit insgesamt 1,2 Millionen Euro würden die zwei Aufträge rund 14 Prozent der Summe des Ursprungsauftrages entsprechen, sagte Fiedler. In solchen Fällen sei es nicht erforderlich, Aufträge erneut auszuschreiben. Dass die Revision Anfang der Woche dennoch zu einem anderen Urteil gekommen war, liege daran, dass die Verträge „nur nach Aktenlage“ geprüft worden seien. Erst seit Mittwoch dieser Woche hätten die Betroffenen in der BA und bei Berger selbst Gelegenheit zu Erläuterungen erhalten.

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