• Gerster sieht wenig Chancen für Langzeit-Arbeitslose Chef der Bundesanstalt für Arbeit: Jobkrise erschwert Vermittlung

Wirtschaft : Gerster sieht wenig Chancen für Langzeit-Arbeitslose Chef der Bundesanstalt für Arbeit: Jobkrise erschwert Vermittlung

-

Berlin (ce/brö). Der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit (BA, siehe Lexikon), Florian Gerster, hat den Umgang der Arbeitsämter mit Langzeitarbeitslosen verteidigt. „Jeder Arbeitslose erhält vom Arbeitsamt die notwendige Zuwendung , um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden“, sagte Gerster dem Tagesspiegel. Er präzisierte damit seine Aussagen vom Montag auf einer Veranstaltung in Berlin und verwahrte sich gegen Kritik, die BA gebe Langzeitarbeitslose auf. „Bei der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage ist es aber besonders schwierig, Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen“, sagte Gerster.

Mit der Zusammenlegung der Arbeitslosen und der Sozialhilfe werden auch die Aufgaben zwischen Arbeitsämtern und Kommunen neu verteilt. Erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger sollen ab nächstem Jahr Anspruch auf Förderung vom Arbeitsamt haben. Die ersten Kommunen reduzieren schon jetzt ihre arbeitsmarktpolitischen Tätigkeiten. BA-Chef Gerster wiederum hatte am Montag gewarnt, für die Arbeitsämter sei der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit „immens teuer“ und sich daher für einen „ehrlichen zweiten Arbeitsmarkt“ der Kommunen ausgesprochen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Thea Dückert, warnte gegenüber dieser Zeitung vor dem „unwiederbringlich Schaden“, der entstehe, wenn Kommunen und Arbeitsämter die Langzeitarbeitslosen „abschieben“. Dieser Personengruppe müssten „zusätzliche Chancen“ eingeräumt werden.

„Der Königsweg zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen ist dauerhaftes Wirtschaftswachstum oberhalb der Beschäftigungsschwelle“, sagte Gerster. Er verwies darauf, dass die Arbeitsämter im vergangenen Jahr Fördermaßnahmen für Arbeitslosenhilfeempfänger in Höhe von vier Milliarden Euro finanziert hätten. Eine weitere knappe Milliarde Euro koste den Beitragszahler die Betreuung der Arbeitslosenhilfeempfänger, die nicht zur Versichertengemeinschaft gehörten. Allein im Januar und Februar diesen Jahres seien 80 500 Langzeitarbeitslose neu in Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung eingetreten. Besonders erfolgreich seien betriebliche Trainingsmaßnahmen und Lohnkostenzuschüsse.

Reform würde Arbeitslose belasten

Geld sparen könnten die Arbeitsämter durch die Reform des Arbeitslosengeldes, die Bundeskanzler Gerhard Schröder am Freitag ankündigen will. Die Verringerung der maximalen Bezugsdauer von heute 32 Monaten auf nur noch zwölf bis 18 Monate würde für Beschäftigungslose enorme Einbußen bedeuten. Grund: Wer kein Arbeitslosengeld bekommt, bezieht Arbeitslosenhilfe – und die liegt deutlich niedriger.

Bei einem 57-jährigen verheirateten Mann mit Kind in der Steuerklasse drei, der in seinem früheren Job 3000 Euro brutto verdient hat, liegt der monatliche Abschlag bei 185,86 Euro. Denn das Arbeitslosengeld beträgt 1245,44 Euro, die Arbeitslosenhilfe nur 1059,58 Euro. Zahlt ihm das Arbeitsamt demnächst nun nicht mehr 32, sondern nur noch 18 Monate lang Arbeitslosengeld, summieren sich die Einbußen also auf 2602,04 Euro. Außerdem muss er beim Wechsel in die Arbeitslosenhilfe Teile seines angesparten Vermögens aufzehren. Wer im Monat nur 2000 Euro verdient hat, müsste mit Kürzungen von 115,57 Euro leben, insgesamt lägen die Einbußen bei 1617,98 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben