Wirtschaft : Gerüchte über die Bankgesellschaft reißen nicht ab

DANIEL RHEE-PIENING

BERLIN .Die Bankgesellschaft Berlin sorgt wieder einmal für Schlagzeilen.Zunächst war es die zum Konzern gehörende Berliner Bank, der nachgesagt wurde, daß ihre Liquidität äußerst angespannt sei.Die Controller sollen in einem internen Papier für den Vorstand Alarm geschlagen haben.Nach den hohen Wertberichtigungen im vergangenen Jahr eine plausible Spekulation, die der Bank keine Freude bereitet.Denn: Ist man erst einmal ins Gerede gekommen, ist es schwer, die Wogen wieder zu glätten.Besonders trifft dies auf die Banken zu, die doch stets peinlich auf ihren guten Ruf achten.

Konkret wurde der Berliner Bank nachgesagt, nicht über genügend Kundeneinlagen zu verfügen, um ihre Kredite entsprechend den Grundsätzen des Kreditwesengesetzes refinanzieren zu können.Deshalb soll das Institut sogar deutlich höhere Zinsen für Kundeneinlagen geboten haben.

Paßt dies aber mit den jüngsten Spekulationen über einen anderen Teil der Holding, die Landesbank Berlin (LBB), zusammen? Stimmt es, daß die Landesbank Wohnungen der Wohnungsbaugesellschaft "Wir" übernehmen soll? Angeblich plant die Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing die "Wir", die zur Neuen Heimat gehörte, zu verkaufen um Haushaltslöcher zu stopfen."Wir" besitzt rund 24 000 Wohnungen in Berlin.In ihnen wohnen derzeit rund 72 000 Mieter.Der Preis für das Paket steht noch nicht fest, bekannt ist nur, daß das Land die Wohnungen 1988 für 120 Mill.DM in Landesbesitz übernahm.In der Senatsverwaltung für Finanzen werden konkrete Pläne weder bestätigt noch dementiert, über den Preis will man sich bei ins Auge gefaßten Verkäufen grundsätzlich nicht äußern.

Für die Landesbank dürfte der Übereignungs-Vorschlag überraschend gekommen sein.Vielleicht war ja auch nur der Wunsch Vater des Gedankens - oder aber eine Blick in die Vergangenheit.Wurde die Holding Bankgesellschaft nicht schon in den Verkauf der Bewag eingeschaltet? Übernahm die Investitionsbank nicht die Arwo? Das landeseigene Institut leistete bei den Privatisierungen durch den Senat bisher gute Arbeit.An der Bundesallee war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein deutliches Dementi hingegen von der Berliner Bank.Vorstandssprecher Klaus von der Heyde wesit die Gerüchte über sein Institut vehement zurück."Wir zahlen auf die Einlagen nur die marktüblichen Konditionen, versichert er.Aktuell sind dies laut Auskunft des Instituts beispielsweise 1,5 Prozent per anno für ein Sparbuch mit dreimonatiger Kündigungsfrist.Für eine Anlage von 10 000 DM, die der Kunde für einen Monat fest anlegt, gibt es 2,35 Prozent Zinsen, bei 3 Monaten Festanlage sind es 2,40 Prozent.Natürlich bekomme auch die Berliner Bank weniger Kundeneinlagen als in früheren Zeiten, räumt von der Heyde ein.Dies hänge aber mit den allgemein niedrigen Zinsen zusammen - die Kunden schichteten beispielsweise in Aktieneinlagen um.Dies sei ein allgemeiner Trend, so der Vorstandssprecher.Da man auch bei der Berliner Bank in näherer Zeit keine wesentlichen Zinssteigerungen sieht, versuche das Institut die Kunden mit speziellen Angeboten zu gewinnen.Von der Heyde verweist in diesem Zusammenhang auf das Produkt "Flexgeld".Hier werden für Anlagen der Kunden je nach Höhe 2,25 Prozent bis 3,125 Prozent gezahlt.Allerdings nicht jeweils für den vollen Betrag sondern nur für die Summe, die bestimmte Grenzen übersteigt.

Auf der anderen Seite bleibt aber das Sorgenkind Immobilienfinanzierung."Hier machen uns die Ausleihungen an Private keine großen Sorgen", meint von der Heyde."Der Privatmann kämpft doch bis zum letzten Pfennig für sein Häuschen".Es sei vielmehr die gewerbliche Baufinanzierung.Die Berliner Bank sei hier erst etwa 1994, und damit relativ spät, in das Geschäft eingestiegen.Deshalb seien auch keine allzu großen Summen aufgelaufen, beruhigt der Banker.Insgesamt entfalle auf dieses Segment rund ein Fünftel des gesamten Kreditvolumens, des Instituts.

Die Kreditpolitik verteidigt von der Heyde ausdrücklich als sauber und ordentlich.Die Riskovorsorge werde in diesem Jahr auf Vorjahreshöhe liegen.Daß Kredite innerhalb des Konzerns verkauft worden seien, sei ein normaler Vorgang.Keineswegs handele es sich hierbei um Bilanztricks.Natürlich seien auch nur Kredite mit sehr guten Bonitäten ausplaziert worden.Dies sei geschehen, um sich Spielraum für weitere langfristige Ausleihungen zu erhalten.Man habe den gesetztlich vorgegebenen Rahmen zwar nie überschritten, aber so weit wie möglich ausgenutzt."Sonst wäre ich ja auch kein guter Banker", so von der Heyde."Wir haben immer genügend Luft gehabt".Der im Gesetz genannte Äquivalenzkoeffizient zwischen Eigenkapital und Kreditherausgaben sei immer erfüllt worden.Schließlich sei auch die in der Öffentlichkeit genannte Zahl von 3,6 Mrd.DM viel zu hoch gegriffen.Eine konkrete Zahl mochte von der Heyde allerdings nicht nennen.

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