Wirtschaft : Gerüchte über Interventionen bremsen Dollar-Talfahrt

FRANKFURT (MAIN) TOKIO (Tsp).Spekulationen über Interventionen zur Stärkung des Dollars haben am Donnerstag nachmittag den Kursverfall der US-Währung gestoppt.Zuvor hatte der deutliche Rückgang des US-Dollars und wachsende Besorgnis über die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten und Europa an der Tokioter Börse zum deutlichsten Kurssturz in diesem Jahr geführt.Während die südostasiatischen Aktienmärkte erneut teils kräftige Gewinne verzeichneten, fiel der Nikkei-Index für 225 Werte in Tokio um knapp sechs Prozent.Trotzdem konnte sich die japanische Währung gegenüber dem Dollar behaupten.Der Dollar gab auf ein vorläufiges 14-Monatstief von 113,80 Yen nach.

Auch gegenüber der D-Mark blieb der Dollar zunächst auf Talfahrt.Zeitweise erreichte der Dollar zur D-Mark ein neues 20-Monatstief von 1,5870 DM.Bis zum Fixing an der Frankfurter Börse erholte sich der Dollar zwar leicht auf einen Mittelkurs von 1,5985 (Vortag 1,6128) DM.Doch auch damit war er immer noch so billig wie seit dem 16.Januar 1997 nicht mehr.Durch Gerüchte über angebliche Interventionen der Zentralbanken wurde der Kursrückgang des Dollars am Nachmittag gestoppt.

Auch europäische Zinssenkungen hatten dem Greenback nicht zu Kursgewinnen verholfen.Neben den Dänen, die ihren Tendersatz und Einlagensatz um je 0,25 Prozentpunkte senkten und ein neues Wertpapierpensionsgeschäft zu 4,75 Prozent nach bisher fünf Prozent anboten, haben auch die Briten die Zinsen zurückgenommen.Auf Drängen von Arbeitgebern und Gewerkschaften und Empfehlung des britischen Schatzkanzlers Gordon Brown senkte die Bank von England am Donnerstag den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 7,25 Prozent.Die Zinssenkung ist die erste seit dem Amtsantritt der Labour-Regierung im Mai 1997.Seitdem hat die - durch Labour von der Regierung unabhängig gewordene - Notenbank das Geld in Großbritannien sechsmal in kleinen Schritten verteuert.Die internationalen Entwicklungen hätten zu einem Rückgang der Geschäftstätigkeit und des Verbrauchervertrauens in Großbritannien geführt, hieß es.An der Börse zeigte man sich über die Zinsentscheidung enttäuscht.Der FTSE-100-Index gab rund drei Prozent nach.Besorgt über die aktuelle Entwicklung des Dollars zeigte sich am Donnerstag BDI-Chef Hans-Olaf Henkel.Seit dem Sommer gebe es eine weitgehend unbemerkte Aufwertung der D-Mark, die die Position der deutschen Exportwirtschaft auf den Weltmärkten schwäche.Neben den Kursverlusten des Dollars auf unter 1,60 DM sei jetzt auch ein "Abwertungswettlauf" in Lateinamerika zu beobachten.Es mehrten sich die Nachrichten, daß die Exporteure nichts mehr verdienen würden.Positiv sei zu bewerten, daß die D-Mark von einer Aufwertung gegenüber anderen europäischen Währungen verschont geblieben sei, da es praktisch schon den Euro gebe."Bei einer Abwertung auch dieser Währungen hätten wir eine Katastrophe," sagte Henkel.

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