Wirtschaft : Gerüchteküche treibt Yen nach oben

TOKIO (dpa).Die deutliche Abschwächung des japanischen Yen ist am Dienstag auf dem Devisenmarkt in Tokio gestoppt worden.Zwar sackte der Kurs zunächst weiter unter die Marke von 146 Yen zum Dollar.Doch Andeutungen führender Regierungsvertreter bezüglich möglicher Stützungskäufe zugunsten des Yen ließen den Kurs wieder steigen.Um 17 Uhr Ortszeit wurde die US-Währung mit 144,60 nach 145,63 Yen am Montag (17 Uhr Ortszeit) bewertet.

Finanzminister Kiichi Miyazawa trug mit Einzelheiten zur geplanten Steuersenkung ebenfalls zur Erholung des Yen bei.So will er den Spitzensatz bei der Einkommensteuer von gegenwärtig 65 auf 50 Prozent senken.Außerdem schlug er vor, die Unternehmenssteuer im kommenden Fiskaljahr 1998/99 (31.März) von 46,36 auf nahe 40 Prozent zu drücken, wie am Dienstag nach einem gemeinsamen Treffen mit der Steuerkommission der Regierungspartei LDP bekannt wurde.Insgesamt seien eine Reduzierung der Einkommensteuer im Volumen von vier Billionen Yen (52 Mrd.DM) und mehr als zwei Billionen Yen bei Unternehmenssteuern geplant, hieß es.Ministerpräsident Keizo Obuchi hatte vor seinem Amtstritt versprochen, vom kommenden Jahr an Steuersenkungen in dieser Größenordnung vorzunehmen.

Am Dienstag verhalf sein Finanzminister auch mit Hinweisen auf mögliche Stützungskäufe dem Yen wieder etwas auf die Beine.Solche Maßnahmen seien für Währungsbehörden "unvermeidlich", um auf zu heftige Bewegungen an den Märkten zu reagieren, sagte Miyazawa.Am vergangenen Freitag hatte der 78jährige selbst noch zu der erneuten Yen-Abschwächung beigetragen, indem er sich skeptisch über den Sinn von Stützungsaktionen an den Devisenmärkten geäußert hatte.Die Finanzmärkte hätten ihn jedoch mißverstanden, sagte Miyazawa."Ich habe nicht gemeint, daß Interventionen unnötig sind".Neben Miyazawa deuteten auch andere führende Regierungsvertreter am Dienstag die Möglichkeit erneuter Devisenmarkteingriffe an, wodurch sich der Yen-Kurs wieder erholte.Am Vortag war der Yen erstmals seit dem 16.Juni wieder unter die Marke von 145 Yen im Vergleich zum Dollar gefallen.

Viele Akteure blieben skeptisch, ob die neue Regierung in der Lage sein werde, die Wirtschaft aus der Krise zu führen.Am Aktienmarkt kam es unterdessen zu erneuten Verlusten von knapp einem Prozent.Damit liegt der Nikkei-Index nur noch knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 16 000 Punkten.

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