Wirtschaft : Gesamtmetall befürchtet weiteren Personalabbau

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Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, hat die IG Metall vor den Folgen hoher Lohnabschlüsse gewarnt. "Wir dürfen nicht in den Kostenstrukturen der Zukunft den Keim für weiteren Beschäftigungsabbau legen", sagte Kannegiesser am Wochenende in Berlin. Bislang hätten die Firmen personalpolitisch sehr behutsam auf die "rasante" konjunkturelle Abschwächung reagiert.

Kannegiesser rechnete vor, dass bis Ende November 2001 die Produktion in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) um vier Prozent gesunken sei. Übertragen auf die Beschäftigung bedeute dies, dass es für 100 000 bis 150 000 Arbeitnehmer keine Arbeit gebe. Doch die Firmen würden deutlich weniger Stellen abbauen. Wenn aber nun in der anstehenden Tarifrunde "wie die Berserker vorgegangen wird, dann bauen sie doch ab", warnte Kannegiesser.

Vom Bündnis für Arbeit erwartet der Gesamtmetall-Präsident im Hinblick auf die Tarifpolitik "allenfalls indirekte Auswirkungen". Seiner Ansicht nach geht es beim Bündnis auch vielmehr um den "Versuch, eine für alle akzeptierte Strömung zu definieren". Dazu gehören für Kannegiesser zum Beispiel "Kernelemente einer Reform des Arbeitsmarktes". Alles andere sei "Aufgabe der Politik und der Tarifparteien".

Die Tarifrunde 2002 ist Kannegiesser zufolge von "Besonderheiten" geprägt. So seien derzeit alle Weltmärkte schwach. "Diese Gleichzeitigkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung ist eine neue Erfahrung", und belaste die Metall- und Elektroindustrie, die zu 65 Prozent vom Export abhänge, besonders stark. Zum Zweiten habe "diese Rasanz der Abkühlung niemand erwartet.". Die dritte Besonderheit sieht Kannegiesser in der kommenden Bundestagswahl. Einerseits sei das Bemühen der IG Metall erkennbar, "sich auf keinen Fall politisch beeinflussen zu lassen". Andererseits sei deren Führung "die politische Relevanz dieser Tarifrunde" klar.

Aber den Unternehmen gehe es nicht besonders gut. Die Umsatzrendite in den M+E-Firmen sei 2001 auf 2,1 Prozent gesunken nach 2,7 Prozent im Jahr zuvor. Dabei sei die Bedeutung der Gewinne in den vergangenen acht Jahren gestiegen. Und zwar auf Grund des härteren "Wettlaufs um Kapital" sowie der Kosten "der noch längst nicht abgeschlossen Umstrukturierung". Dass die Gewerkschaften womöglich aus Rücksicht auf Schröders Wahlchancen auf einen Arbeitskampf verzichten könnten, glaubt Kannegiesser nicht. Den Verteilungsspielraum in der kommenden Tarifrunde leitete Kannegiesser aus der gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung ab, die er zwischen 1,5 und zwei Prozent ansiedelt.

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