Wirtschaft : Geschäfte mit dem Staatsanwalt

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Der Waffenstillstand zwischen Merrill Lynch und dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliott Spitzer zeigt eines: Spitzer steigt aus, solange er Gewinn macht. Merrill Lynch zahlt wegen unseriöser Analystenurteile 100 Millionen Dollar und nimmt Änderungen im Entgelt der Analysten und der internen Struktur vor. Das erscheint mickrig gemessen an Spitzers Rolle als Wall Street Reformator. Tiefergehende Analysen der Merrillschen E-Mails weisen wenig Anzeichen von Übeltäterei auf.

Eher peinlich als haftbar war der Glaube der Analysten und der Investoren, die beide eines Besseren belehrt wurden. Spitzer macht diesen Fehler nicht und feiert seinen Sieg. Merrill wird sich an ihn zwar nicht als Freund erinnern, aber an jemanden, mit dem man Geschäfte machen kann. Das kann sich für einen ehrgeizigen Politiker wie Spitzer auszahlen.

Noch schöner muss sich für Spitzer der Applaus der Anwälte angehört haben, die alle an Fällen gegen Merrill und andere Investmenthäuser arbeiten. „Man könnte aus der Vereinbarung schlussfolgern, dass sie nichts ändern würden, wenn sie nicht etwas falsch gemacht hätten“, sagt Frederic Fox, dessen Firma mehrere Klagen gegen Merrill vertritt. Solche Fälle zahlen sich in Wahlkampfspenden aus. Noch ein Vorteil für Spitzer. Schließlich hätte sein Schuss nach hinten losgehen können, wäre der Fall vor Gericht untersucht worden. Spitzer sieht, dass die Amerikaner nicht ewig die Wunden des Börsensturzes lecken, sondern die Zukunft in ihre Hand nehmen wollen.

Verständlich ist die Wut über die voreilige Kapitulation des Merrill- Chefs Komansky, der einem Kinderarzt, der den Empfehlungen des Staranalysten Blodget gefolgt war, 400000 Dollar zahlte. Im Gegensatz dazu ging Morgan Stanley für die Internet-Staranalystin Mary Meeker vor Gericht, und Richter Pollack bezeichnete es als „äußerst geschmacklos“, Morgans Dot.Com-Analysten verantwortlich zu machen für „Meinungen, die wegen unkontrollierbarer Marktbewegungen ungültig werden“. Merrill stellt sich den ebenfalls unkontrollierbaren Klagewellen lieber allein. Die Wall Street sollte von ihren Analysten Glaubwürdigkeit verlangen. Oder anders gesagt: Der Markt wird das Glaubwürdigkeitsproblem besser lösen als Spitzers Merrill-Vereinbarung.

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