Wirtschaft : Geschäftsführung und Gesellschafter werfen sich gegenseitig unsolide Arbeit vor

Die Führung der Weltausstellung Expo 2000 im kommenden Jahr in Hannover hat in einem Brief an die Mitarbeiter gegen ihre Gesellschafter Bund, Land Niedersachsen und Stadt Hannover massive Vorwürfe erhoben. "Die Wahrheit ist: Die Expo 2000 muss auf Beschluss der Gesellschafter zum Beispiel zusätzliche Kosten übernehmen, die bislang nicht aus dem Budget der Expo zu finanzieren waren - so die rund 16 Mill. DM für das Protokoll bei Besuchen von Staatsgästen", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Brief, der von Expo-Chefin Birgit Breuel und den Geschäftsführern Reinhard Volk und Sepp Heckmann unterschrieben ist und der an die Gesellschafter der Expo, Bund, Land Niedersachsen und Stadt Hannover gerichtet ist. Die Stadt und die Landesregierung wiesen die Vorwürfe zurück.

Expo-Kommunikationschef Hans-Erich Bilges erklärte, jüngster Anlass für den Brief sei ein Interview des Oberbürgermeisters von Hannover, Herbert Schmalstieg, gewesen. Schmalstieg habe gesagt, er würde dafür sorgen, "dass die Expo endlich ordentlich mit ihrem Geld umgehe". Schmalstieg sei Oberbürgermeister einer Stadt, deren Pro-Kopf-Verschuldung abenteuerlich sei.

Schmalstieg warf der Expo-Spitze in einer Stellungnahme vor, die Geschäftsführung attackiere in dem Brief den Aufsichtsrat der Expo, statt ihn als Verbündeten anzusehen. Der SPD-Politiker betonte, die Stadt Hannover tue alles dafür, damit die Weltausstellung ein Erfolg werde. Er erwarte, "dass die Expo-Geschäftsführung ebenso gute Arbeit leistet, um nicht ihrerseits den Erfolg der Expo zu gefährden."

Die Expo-Spitze spricht in ihrem Brief von gezielten Indiskretionen und Falschinformationen zum Nachteil der Weltausstellung. "Trotzdem halten wir daran fest, dass die Expo 2000 Hannover GmbH die Gesellschaft zur Vorbereitung und Durchführung der Weltausstellung ist - und nicht die Gesellschaft zur Verbesserung und Verschönerung der Region, von der sich jeder etwas wünschen darf", heißt es in dem Brief.

Regierungssprecher Volker Benke wies die Kritik der Expo-Führung als "Frechheit und Ungeheuerlichkeit" zurück. Die Expo-Spitze werde zu einem Gespräch mit der Landesregierung einbestellt, kündigte Benke an.

Die Tageszeitungen "Hannoversche Allgemeine" und "Die Welt" hatten in ihren Donnerstagausgaben über den Brief der Expo-Führung berichtet. Bereits am Montag war bekannt geworden, dass die Weltausstellungsmacher in Hannover sparen müssen: Expo-Sprecher Michael Sasse hatte erklärt, dass der Gesellschaft neue kostenträchtige Aufgaben übertragen worden seien.

Diese Ausgaben müssten durch Einsparungen gegenfinanziert werden, sagte Sasse. Der Aufsichtsrat der Expo-Gesellschaft habe beschlossen, dass 150 Mill. DM als so genannte Planungsreserve für unvorhergesehene Aufgaben im Expo-Haushalt enthalten sein müssten. An diese Gelder kämen die Veranstalter aber trotz der zusätzlichen Aufgaben, die die Gesellschaft übernehmen müsse, nicht heran. Darum werde eine betriebsinterne Sparliste erstellt, über die der Expo-Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am 24. September entscheiden soll.

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