Geschäftsklima : Getrübte Stimmung in den Chefetagen

Der Jahresstart für die deutsche Wirtschaft war holprig und das trübt den Ausblick der Konzernlenker auf das gesamte Jahr. Ihr Optimismus bröckelt, Skepsis macht sich breit. Trotzdem sehen Ökonomen in dieser Entwicklung auch Gutes.

Der Ausblick für das Jahr 2015 hat sich etwas eingetrübt. Das hat aber weniger nationale Gründe als vielmehr internationale.
Der Ausblick für das Jahr 2015 hat sich etwas eingetrübt. Das hat aber weniger nationale Gründe als vielmehr internationale.Foto: Karl Josef Hildenbrand / dpa

Der Euro ist schwach und das Öl billig - beides zusammen sollte der deutschen Konjunktur eigentlich einen kräftigen Schub verleihen. Eigentlich. Doch tatsächlich hat sich das Wachstum im ersten Vierteljahr spürbar verlangsamt, und der zuletzt grenzenlose Optimismus in den Chefetagen der Unternehmen bröckelt.

Erstmals seit einem halben Jahr hat sich das Ifo-Geschäftsklima im Mai eingetrübt. Und das, obwohl die Unternehmen mit ihrer aktuellen Lage nochmals zufriedener waren als zuletzt. Doch beim Blick auf die kommenden Monate wächst die Skepsis.


„Die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate sind zum zweiten Mal in Folge gefallen. Damit zeichnet sich beim Ifo-Geschäftsklima eine Wende nach unten ab“, glaubt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Daten bestätigten, dass Wachstumsprognosen für 2015 von 2 Prozent und mehr unrealistisch seien. Selbst die vergleichsweise vorsichtige Commerzbank-Prognose von 1,8 Prozent Plus stehe auf wackeligen Füßen: „Dass die Bäume auch in Deutschland nicht in den Himmel wachsen, liegt am nachlassenden Nachfragewachstum aus den Schwellenländern und an bröckelnden Gewinnmargen im Inland als eine Folge wieder deutlich steigender Lohnstückkosten.“ Nicht alle Experten teilen diese Einschätzung. Zwar sieht auch Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg bei der Stimmung nur noch wenig Luft nach oben: „Deutschland hat Flughöhe erreicht.“ Insgesamt sei aber weiterhin mit einem soliden Wachstum von Europas größter Volkswirtschaft zu rechnen.

Staat und private Haushalte bleiben Treiber der Entwicklung

Vor dem Hintergrund des flauen Welthandels geben die Ifo-Daten sogar Grund zur Hoffnung, findet Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe: „Rings um den Globus herrscht derzeit wirtschaftliche Tristesse. Es ist deshalb umso erstaunlicher, dass sich das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer einigermaßen solide schlägt.“ Für Trauerstimmung in den Unternehmen gebe es ohnehin keinen Grund: „Der Euro ist relativ schwach, die Zinsen sind tief und die Beschäftigungssituation ist besser denn je.“ Auch die Löhne steigen.

Das dürfte die Kauflust der Verbraucher in den kommenden Monaten weiter antreiben, ist Carsten Brzeski, Chefökonom der ING Diba, überzeugt. Und die stark wachsenden Steuereinnahmen - im April kletterte das Aufkommen um 5,2 Prozent zum Vorjahr - sprechen dafür, dass der Staat neben den privaten Haushalten ein wichtiger Treiber des deutschen Aufschwungs bleibt. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn prophezeit: „Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs.“

Deutschland werde über dem Durchschnitt der Eurozone wachsen

Während die Binnenkonjunktur schon zu Jahresbeginn rund lief, hat der Außenhandel das Wachstum gebremst. Das muss aber nicht so bleiben, betont Schulz: „Der schwächere Euro muss seine volle Wirkung auf die Exporte erst noch entfalten.“ Da die Wirtschaft in den USA und anderen wichtigen Exportmärkten bald wieder anziehen und damit die Bestellungen in Deutschland steigen dürften, könnte die Bremswirkung des Außenhandels bald vorüber sein: „Das stützt unsere Prognose für solide Wachstumsraten im Gesamtjahr von 1,8 Prozent.“ Aus Sicht von Sal.-Oppenheim-Analystin Ulrike Kastens stehen die Ampeln für Deutschland jedenfalls weiter auf grün: „Im zweiten Quartal 2015 rechnen wir mit einem etwas kräftigeren Wachstum, unsere BIP-Prognose für 2015 bleibt bei 1,8 Prozent.“ Deutschland werde damit leicht über dem Durchschnitt der Eurozone wachsen.

Dabei ist klar: Sollten Krisen wie der Konflikt um die Ukraine wieder aufflammen, kann die Stimmung schnell kippen. Zu Jahresbeginn haben die Unternehmen auch deshalb wieder mehr investiert, weil die Unsicherheit etwa in Bezug auf Russland und Griechenland nachgelassen hat, wie Schulz betont. Doch das Schuldendrama um Athen spitzt sich zu, Hellas könnte schon in Kürze in die Pleite rutschen, wenn nicht schnell eine Einigung mit den Geldgebern gelingt. Die Folgen sind schwer vorhersehbar, ein Euroaustritt im Pleitefall nicht ausgeschlossen. Ökonom Brzeski warnt: „Die unendliche Griechenland-Krise ist eindeutig gefährlicher und explosiver als die Finanzmärkte zu glauben scheinen.“ (dpa)

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