Wirtschaft : Geschäftsklima: Ifo-Index zeigt erstmals wieder nach oben

Erstmals seit Jahresbeginn ist der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli leicht von 89,5 auf 89,8 Punkte gestiegen. Das berichtete das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Mittwoch. Zuvor war der Index mit nur einer Unterbrechung seit Mai 2000 kontinuierlich gesunken. Die meisten Analysten hatten wegen der Konjunkturflaute auch im Juli mit einem deutlichen Rückgang des Stimmungsindikators gerechnet. Das Ifo-Institut ermittelt den Geschäftsklimaindex monatlich aus einer Umfrage unter 7000 Unternehmen in Deutschland. Der Indikator wird aus der Geschäftsbeurteilung und den Erwartungen der Unternehmen errechnet.

An der Börse, die so gut wie nicht auf die siebte Zinssenkung der US-Notenbank seit Jahresanfang vom Vortag reagiert hatte, verbesserte der höhere Ifo-Index die Stimmung am Mittwoch spürbar. Der Deutsche Aktienindex Dax legte bei zunächst schwachem Start um 1,5 Prozent auf 5293 Punkte zu. Auch der Eurokurs konnte sich weiter verbessern und erstmals seit fünf Monaten die Marke von 92 Cent überspringen. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs mit 0,9216 Dollar fest. Damit kostete ein Dollar umgerechnet nur noch 2,1222 Mark. Zeitweise waren es 2,5 Pfennig weniger als am Vortag.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als eines der wichtigsten Barometer zur Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland und wird Monat für Monat mit großer Spannung erwartet. Trotz des positiven Signals warnten viele Analysten aber vor Euphorie. Der Anstieg des Indexes bedeute noch keine Trendwende, sagte Analyst Andreas Scheuerle von der DGZ Dekabank. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf warnten, die Beurteilung der laufenden Geschäfte werde sich in den kommenden Monaten weiter abschwächen. Damit könne ein Rückgang des gesamten Ifo-Klimas nicht ausgeschlossen werden. Auch nach Ansicht von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb dürfte sich die Konjunkturabkühlung in Deutschland noch fortsetzen. Der Anstieg sei zwar ein positives Signal, doch es sei noch zu früh, um zu sagen, dass es sich um eine Wende handelt, sagte Nerb. Erst eine Verbesserung der Geschäftserwartungen über drei bis vier Monate in Folge sei ein deutlicher Beleg für eine konjunkturelle Wende. Die Wirtschaftslage sei derzeit noch von Unsicherheit geprägt und erfordere weiter Untestützung durch die Wirtschafts- und Geldpolitik.

Stimmung im Osten trüber

Anders als in der westdeutschen Industrie sehen die befragten Unternehmen in den neuen Bundesländern noch keine Veränderung der Situation. Dort blieb der Geschäftsklimaindex gegenüber dem Vormonat unverändert bei 102,1 Punkten. Dennoch beurteilten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als einen Monat zuvor. Der entsprechende Index stieg von 121,2 auf 122,4 Punkte. Weniger optimistisch zeigten sich die Unternehmen beim Blick in die Zukunft. Der Index für die Geschäftserwartungen in den neuen Bundesländern ging von 84,1 auf 83,1 Punkte zurück.

Die befragten Unternehmen im westdeutschen verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe sowie im Groß- und Einzelhandel zeigten sich zuversichtlicher. Erstmals seit Oktober vergangenen Jahres stieg der Stimmungsindikator für die Beurteilung der Geschäftserwartungen wieder an und erreichte 95 Punkte, nach 93,5 Punkten im Monat zuvor. Bislang spüren die Unternehmen die Belebung allerdings noch nicht. Ihre aktuelle Geschäftslage stuften die Befragten eher schlechter ein als einen Monat zuvor. Der Index sank gegenüber Juni von 85,4 auf 84,8 Zähler.

Nach Einschätzung von Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr aber nur "wenig über einem Prozent" liegen. Dies sei "im europäischen Vergleich kein gutes Ergebnis", sagte Stark der "Wirtschaftswoche". Eine baldige Zinssenkung durch die EZB schloss er aus. Die Währungshüter müssten zunächst prüfen, ob sich der Rückgang der Inflation und der Anstieg der Geldmenge fortsetzten oder ob dies nur ein kurzfristiger Trend sei, sagte Stark. "Erst dann können wir über weitere Zinsschritte nachdenken." Die neuesten Preisdaten aus Deutschland belegen aber einen Rückgang der Inflation. Darauf weisen Erhebungen der jährlichen Teuerungsrate in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen für August hin.

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