Geschäftsmodelle : Beim Elektroauto schlägt Miete Kauf

Noch sind Elektroautos viel teurer als herkömmliche oder Hybridfahrzeuge. Die Industrie weiß das und will ihre Autos daher nicht nur verkaufen. Sie testet neue Geschäftsmodelle.

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Der Fortschritt hat seinen Preis. Gut 34 000 Euro verlangt Mitsubishi für das Elektroauto i-MiEV, gar 41 000 Euro nennt der US-Hersteller Tesla als Hausnummer für die neue Sportlimousine Model S, die bald auf den Markt kommt. Für Autos, die nicht einmal für Langstrecken taugen, ist das viel Geld. Die Industrie weiß das und will ihre Autos daher nicht nur verkaufen, sondern auch vermieten. „Das Carsharing ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und wird in Zukunft weiter zulegen“, sagte der Daimler-Manager Robert Henrich auf dem eMobility-Summit des Tagesspiegels am Montag in Berlin. Henrich leitet das Mietauto-Projekt Car2Go, bei dem der Konzern in mehreren Städten Kleinwagen verleiht, auch im Ausland. „Carsharing wird sich durchsetzen, wenn es genauso einfach wird wie heute die Nutzung eines Privatautos“, befand er.

Nicht nur wegen der hohen Autopreise versuchen sich die Hersteller als Verleiher. Sie wollen auch Praxis-Erfahrungen sammeln – über die Länge der am Tag gefahrenen Strecken, die Ladezyklen, die Haltbarkeit der Technik. „Wir wollen Vermutungen durch Fakten ersetzen“, sagte Thomas Becker von BMW. Die Bayern erproben zusammen mit Sixt in München und Berlin ein Verleih-Konzept. Eine Erkenntnis: Die Kunden wollen ihr Stromauto mit Öko-Energie fahren statt mit Kohle. Überhaupt werde ein Carsharing-Wagen mit anderen Augen betrachtet. „Ein emotionales Verhältnis“ hätten die Kunden zu den 300 Smarts entwickelt, die Car2Go in Ulm vermietet, hat Manager Henrich beobachtet.

Doch ist in den Städten überhaupt genügend Platz für Ladestationen? Und haben die Kunden Lust auf stundenlange Auflade-Prozeduren ihrer Batterien? Nein, sagt Rolf Schumann, Deutschlandchef des Unternehmens Better Place. „Wir verkaufen nicht Autos und Batterien, sondern Kilometer“, erklärt er die Geschäftsidee. An einem Netz von Ladestationen sollen die Kunden leere Akkus gegen volle austauschen können. Bezahlt wird pro gefahrenem Kilometer. Allerdings hat Better Place bislang nur Renault-Nissan für die Wechsel-Technik gewinnen können, die übrigen Konzerne sehen die Batterie als Kernelement der neuen Autos an.

Renate Künast, Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, reicht das nicht. Nicht allein um Elektroautos, sondern um neue Mobilitätskonzepte gehe es, sagte die Politikerin, die Regierende Bürgermeisterin werden will. Alle umweltfreundlichen Verkehrsträger, vom Mietauto über das Rad bis zum Bus, müssten einbezogen sein, ein „Mobilitätsprovider, der uns das alles organisiert“, solle für die Nutzung eine Rechnung ausstellen. „Das muss es deutschlandweit geben. Die Hauptstadt ist geradezu verpflichtet, hier vorzudenken“, verlangte sie.

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