Geschäftszahlen : Telekom trotzt der Krise

René Obermann verkündet fröhlich die Errungenschaften der Telekom: Der Konzern hat sich in die schwarzen Zahlen gespart und verliert weniger Kunden.

David C. Lerch
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Optimistisch in die Zukunft: Telekom-Chef René Obermann legte am Donnerstag die neuesten Zahlen vor. -Foto: dpa

BonnDer Chef hat gute Laune. Das ist deutlich zu spüren. Bei strahlendem Sonnenschein vor der Konzernzentrale der Telekom verkündet René Obermann drinnen die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Seine Botschaft ist eindeutig: „Die Deutsche Telekom ist wieder auf Kurs.“ Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte der Umsatz um 7,4 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro zu, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) stieg um 8,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro.

Damit schreibt Obermann auch für das gesamte erste Halbjahr schwarze Zahlen, obwohl er noch im März einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro und eine Gewinnwarnung zu verkünden hatte. Bei den damaligen Sorgenkindern, den schwächelnden Mobilsparten in USA, Großbritannien und Polen, wurden seitdem massiv die Kosten gedrückt. „Die Telekom hat sich anständig zum Ziel gespart“, sagte Heike Pauls, Analystin der Commerzbank.

Auch im Inland senkt der Konzern seit Jahren die Kosten. Gegenüber 2005 sind vor allem durch den Abbau von Arbeitsplätzen 4,9 Milliarden Euro gespart worden; ursprünglich war das erst bis Ende 2010 vorgesehen. In Deutschland sind rund 12 000 Stellen weggefallen. Trotzdem spart das Unternehmen weiter. Neue Ziele dazu will Obermann Ende des Jahres bekannt geben.

Neben dem Rotstift verdankt die Telekom ihre positive Bilanz besonders der neuen griechischen Tochter OTE, die seit Februar dieses Jahres zum Konzern gehört. Auf dem Heimatmarkt kämpft der ehemalige Monopolist weiter mit sinkenden Umsätzen. Im Mobilfunk profitiert die Telekom zwar von den starken Absatzzahlen des Apple-Handys iPhone, das an Telekom-Verträge geknüpft ist; rund eine Million Exemplare wurden bisher in Deutschland verkauft. Doch das reicht nicht, um das rückläufige Mobilfunkgeschäft auszugleichen. Beim Festnetz verliert die Telekom weiterhin Kunden – allerdings schwächt sich der Trend ab: Zwischen April und Juni kündigten 473 000 Kunden und damit 175 000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Das sei der niedrigste Stand seit Ende 2005. Zudem hätten 40 Prozent der Kunden nicht den Anbieter gewechselt, sondern nur ein neues Telefon- und Internetpaket bei der Telekom abgeschlossen.

Im Geschäft mit den schnellen Internetverbindungen konnte das Unternehmen seinen Marktanteil festigen. Mit 245 000 neuen DSL-Kunden im zweiten Quartal kam der Konzern auf einen Anteil bei Neukunden von 59 Prozent. Insgesamt liegt die Zahl der DSL-Anschlüsse bei elf Millionen. Für den Hoffnungsträger des Konzerns, das IPTV-Angebot „Entertain“, entschieden sich inzwischen rund 720 000 Kunden, bis Ende des Jahres sollen es eine Million sein. Beim IPTV handelt es sich um herkömmliches Fernsehen, das über die Internetleitung übertragen wird und seinen Nutzern eine Reihe von Vorteilen bietet. So ist es etwa möglich, das laufende Programm anzuhalten und nach einer Pause fortzusetzen. Das Angebot will Obermann weiter ausbauen. So werden zum Beispiel die Spiele der am Freitag beginnenden Saison der Fußball-Bundesliga über das Internetfernsehen und über Mobilfunk live übertragen.

Die Aktie der Telekom reagierte am Donnerstag kaum auf die Zahlen des Konzerns. Nach einem leichten Anstieg am Morgen fiel der Kurs am Nachmittag ins Minus. „Das Ergebnis hat viele Anleger nicht überrascht“, erklärte Pauls.

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