Wirtschaft : Gescheiterte Fusion: Rückendeckung für Londoner Börsenchef

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Trotz scharfer Kritik der Aktionäre an seiner Rolle bei der inzwischen gescheiterten Fusion mit Frankfurt ist der Chef der Londoner Börse, Don Cruickshank, am Donnerstag knapp wiedergewählt worden. Auch Vorstand Gavin ist letzlich im Amt bestätigt worden. Auf der Hauptversammlung der London Stock Exchange (LSE) hatten zahlreiche Aktionäre Cruickshank vorgeworfen, die geplante Fusion mit der Deutschen Börse schlecht vorbereitet zu haben. Cruickshank verteidigte sich mit den Worten: "Es war richtig, die Gelegenheit zur Fusion zu ergreifen, und es war auch richtig, sich aus dem Projekt zurück zu ziehen."

Don Cruickshank, hat sich auf der Hauptversammlung der Börse schroffe Kritik anhören müssen. Bis zum Nachmittag stand nicht letztgültig fest, ob Cruickshank als Chairman im Amt bestätigt wird. Eine Abstimmung per Handzeichen hatte eine Mehrheit für Cruickshank ergeben, doch angesichts des augenscheinlich knappen Votums wurde eine geheime Abstimmung beantragt.

Wie in den vergangenen Wochen und Tagen waren es die kleinen und mittleren Broker, die ihrem Ärger über den aus ihrer Sicht unprofessionell gehandhabten Fusionsversuch mit der Deutschen Börse Luft machten. "Das Treffen war eine Katastrophe vom Standpunkt des Chairman aus betrachtet. Sein Auftritt war sehr, sehr schwach", bemängelte Michael Spencer, der die Aktionärsrechte des Brokerhauses Garban Intercapital wahrnahm. Die Rechtfertigungrede von Don Cruickshank wurde mit Schweigen quittiert.

In der anschließenden Debatte wurde dem erst seit kurzem amtierenden Schotten die Leviten gelesen. Er habe durch den zunächst eingefädelten und dann abgebrochenen Fusionsversuch mit Frankfurt die Börse zu einem Übernahmeopfer werden lassen. Keiner der anwesenden Aktionärsvertreter fand ein unterstützendes Wort für den LSE-Vorstand. Micheal Winterflood vom Brokerhaus Winterflood Securities nahm sein Rolle als heftiger Kritiker von iX und Don Cruickshank erneut war. Die Börse brauche nun einen jüngeren Chef, der etwas von elektronischen Handelssystemen verstehe. Cruickshank wurde seine fehlende Erfahrung als Marktteilnehmer vorgehalten. "Was wir brauchen ist ein junges, aggressives und in Computerfragen beschlagenes Wunderkind aus der City", forderte Winterflood dessen Stellungnahme das erste mal für Applaus am Konferenzort im Londoner Hotel Interconti sorgte.

Neben Cruickshank in der tragenden Rolle gelten vor allem der Chief Executive Gavin Casey und der Merrill Lynch-Europachef Michael Marks - beide sind Vorstandsmitglieder der LSE - als Architekten des mißglückten Fusionsversuchs mit Frankfurt. Über beide wurde gestern abgestimmt. Die Abstimmung über Casey fiel per Handzeichen ablehnend aus, worauf eine geheimes Votum anberaumt wurde. Michael Marks wurde per Handzeichen bestätigt, doch auch für ihn beantragte die Hauptversammlung eine geheime Abstimmung. Casey reagierte mit einem verschnupften "No, thank you" auf die Aufforderung, die harschen Vorwürfe gegen ihn zu kommentieren. Die Vorsitzende des Brokerverbandes APCIMS, Angela Knight, meinte: "Casey hätte nach der ersten Abstimmung abtreten sollen".

Als mögliche Nachfolger für Casey wurden gestern einerseits Brian Williamson, bislang Chairman der Londoner Terminbörse Liffe, und Pen Kent, Chef des Interessenverbands European Securities Forum genannt. "Dass jemand den Hut nehmen soll, war auf dem Treffen klar zu spüren, es wird noch weitere Übernahmeversuche geben und es muss jemand an der Spitze stehen, der sie abfangen kann", sagte John Pilley vom Brokerhaus Russel Wood. Neben dem bereits vorliegenden feindlichen Gebot der schwedischen OM Gruppen rechnet man in London mit einer Offerte von Euronext.

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