Wirtschaft : Geschenke für die Ewigkeit Deutsche Bank begrüßt Steinbrücks Reformpläne

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Herr Wischnewski, warum stiften Menschen?

Viele Stifter empfinden Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitmenschen. Fast der Hälfte geht es zudem darum, ein konkretes Problem zu bekämpfen oder der Gesellschaft generell etwas zurückzugeben. Auch der „Denkmaleffekt“ spielt eine Rolle, also der Wunsch, ein ideelles Vermächtnis zu hinterlassen.

Beobachten Sie eine Zunahme bei den Gründungen?

Ja, wir registrieren in den vergangenen Jahren eine wachsende Zahl von Stiftungen, die insbesondere immer öfter von Privatleuten ins Leben gerufen werden.

Braucht man ein Millionenvermögen dafür?

Absolut nicht. Fast zwei Drittel der Stifter beziffern ihr Privatvermögen auf weniger als 250 000 Euro und schon mit Beträgen von 100 000 Euro können Stiftungen ins Leben gerufen werden.

Kann man eine Stiftung nachträglich wieder auflösen oder deren Ziele ändern?

Nein – die Stiftung ist vom Stifter beziehungsweise der Stifterin grundsätzlich für die Ewigkeit errichtet worden. Eine spätere Änderung der Ziele ist nur dann möglich, wenn die Stiftungssatzung dies grundsätzlich und ausdrücklich zulässt. Eine Änderung des Stiftungszweckes einer steuerbegünstigten Stiftung erfordert die Zustimmung der Finanzbehörde; bei einer rechtsfähigen Stiftung wacht zusätzlich die staatliche Stiftungsaufsichtsbehörde über die Einhaltung des Stifterwillens.

Wer hilft bei der Gründung?

Für die Einrichtung einer Stiftung ist profundes Wissen im Stiftungs- und Satzungsrecht notwendig. Dies kann nur eine Handvoll Banken selbst leisten. Neben der Anlage und dem professionellen Management des Stiftungskapitals werden zunehmend die Dienstleistungen unseres Stiftungs-Office nachgefragt. Das ist die laufende Betreuung der Stiftung. So kann der Stiftungsvorstand seine ganze Aufmerksamkeit der Verwirklichung des Stiftungszweckes widmen.

Was erwarten Sie von den Steinbrück-Plänen zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements?

Als Betreuer vieler Stiftungen sehen wir die geplanten Änderungen als positiv für das Stiftungswesen. Sie würden einen steuerlichen Anreiz für Stifter schaffen, mehr Stiftungskapital zu dotieren. Es würde also insgesamt mehr Geld in Stiftungen fließen. Und das wiederum stärkt die Stiftungsszene in Deutschland.

Die Fragen stellte Daniel Rhée-Piening.

Dietmar Wischnewski

ist Direktor bei der Deutschen Bank, dem größten Stiftungsverwalter Deutschlands, und für die Betreuung von Stiftungen verantwortlich.

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