Geschenke : Spielzeug ist der Renner im Weihnachtsgeschäft

Von dem Ansturm der Konsumenten auf Spielzeug profitieren im diesjährigen Weihnachtsgeschäft vor allem Traditionsmarken. Hersteller wie Lego oder Playmobil können teilweise gar nicht mehr liefern.

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Die Mädchen-Serie Friends von Lego ist bereits teilweise ausverkauft.
Die Mädchen-Serie Friends von Lego ist bereits teilweise ausverkauft.Foto: dpa

Berlin - Sie sehen ein bisschen aus wie die „Desperate Housewives“. Doch anders als die Fernsehfrauen, die mit Krebs, Bankrott oder gar Mord zu kämpfen hatten, lassen es sich Emma, Olivia, Stephanie, Mia und Andrea so richtig gut gehen. Sie trinken Kaffee, fahren im Motorboot herum, reiten und lassen ihre Hunde beim Tierfrisör aufhübschen. Zumindest, wenn die Kundschaft vernünftig investiert – oder ihre Eltern.

Die fünf Freundinnen sind im diesjährigen Weihnachtsgeschäft der Verkaufsschlager aus dem Haus Lego. „Die Lego Friends Linie ist in diesem Jahr noch besser als erwartet angekommen, und wir konnten mehr als geplant verkaufen“, sagte Michael Kehlet, Geschäftsführer der deutschen Lego-Tochter, dem Tagesspiegel. In dem einen oder anderen Laden, warnt Kehlet, könnte die Serie schon vor dem Fest ausverkauft sein.

Spielzeug gehört zu den Rennern dieses Weihnachtsgeschäfts. Es ist das zweitliebste Geschenk der Deutschen – nach Büchern. 36 Prozent der Bundesbürger wollen in diesem Jahr Spielwaren unter den Baum legen, 77 Euro lässt sich das jeder pro Nase kosten, hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) herausgefunden. 1,75 Milliarden Euro Umsatz macht der Handel vor Weihnachten allein mit Spielzeug. Dabei sind die Konsumenten auch bereit, tief in die Tasche zu greifen. „Wir beobachten immer wieder, dass Eltern in wirtschaftlich eher unsicheren Zeiten besonderen Wert auf qualitativ hochwertige Produkte legen“, berichtet Kehlet.

Davon profitieren große Namen wie Lego. Rund zehn Prozent Wachstum erwartet der Manager für das Jahr 2012 in Deutschland. Das wäre mehr als der Branchenschnitt. Für die Branche rechnet Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwareneinzelhandels, nämlich nur mit einem Umsatzplus von drei Prozent. „Die Leute kaufen Markenware“, gibt der Verbandschef Lego-Mann Kehlet Recht. „Die steht für Qualität und hohe Sicherheitsstandards.“

Verunsichert von Warnungen über Schadstoffe und Gifte im Spielzeug, greifen die Menschen gern zu Altbewährtem, etwa zu Lego oder Playmobil. Besonders die Klassiker wie das Piratenschiff, das Feuerwehrleitfahrzeug und das Prinzessinnenschloss seien weiter „stark gefragt“, berichtet Geschäftsführerin Andrea Schauer. Playmobil sei eine „im besten Sinne verlässliche Marke“, die Kindern kreatives Rollenspiel anbiete. „Das wird von Kindern und Eltern geschätzt in einer Zeit, in der alles schneller und komplexer wird.“ Auch Politiker schätzen die Spielzeugproduktion made in Germany. Verbraucherministerin Ilse Aigner war vor zwei Jahren da, in diesem Jahr statteten der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und Ministerpräsident Horst Seehofer dem Werk im fränkischen Zirndorf einen Besuch ab. Die Umsätze steigen, aber nicht so rasant wie beim Konkurrenten Lego. Für 2012 rechnet Geschäftsführerin Schauer mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Das Problem: Immer mehr Menschen kaufen auf den letzten Drücker ein. „Der Konsument hat in den vergangenen Jahren gelernt, dass die Warenverfügbarkeit im Handel gegeben ist und gerade noch vor dem Fest Preise verändert werden“, sagt Axel Schmitz, der bei Playmobil den Vertrieb für Zentraleuropa leitet. Kunden sind gut beraten, im Laden nach Sonderangeboten zu suchen, weiß auch Fischel vom Handelsverband: „Viele Händler bieten Schnäppchen.“ Doch an zahlreichen Kunden geht das vorbei. Denn immer mehr Deutsche ordern das Spielzeug übers Internet. Ein Viertel des Umsatzes wird inzwischen über das Netz gemacht, „das Wachstum kommt vor allem aus dem Online-Handel“, räumt Fischel ein.

Internetportale raten Kunden, im Internet die Preise zu vergleichen. Die Preisersparnis könne enorm sein, meint Vera Pesata von der Preisvergleichsplattform Geizhals.de. So ließen sich beispielsweise beim Lego-Technic-Quad bis zu 70 Euro sparen.

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