GESCHICHTE DER WARENHÄUSER : Kathedralen des Handels

DIE ANFÄNGE

Die Geschichte der Warenhäuser beginnt 1852 in Paris, als der französische Stoffhändler Aristide Boucicaut verschiedene Ladengeschäfte unter einem Dach vereint. Sein „Le Bon Marché“ gilt als erstes Warenhaus der Welt. Auf deutsch übersetzt heißt der Laden ,preiswert’, und das passt zu Boucicauts Geschäftsmodell. Er verkauft massenhaft produzierte Waren zum Festpreis. Und der ist deutlich niedriger als bei kleinen Einzelhändlern. Die Kunden müssen nicht mehr feilschen und können die Ware umtauschen, wenn sie ihnen nicht gefällt. Dafür müssen sie aber auch bar bezahlen. Der Laden selbst ist luxuriös und wird aggressiv beworben. Von außen verlocken Schaufenster Passanten zum Kauf. Als Boucicaut 1869 einen Architekten für einen Neubau sucht, wendet er sich an den Schweizer Gustave Eiffel. Es entsteht ein Palast aus Glas und Gusseisen „eine Kathedrale des Handels für ein Volk aus Kunden“, wie der französische Schriftsteller Emile Zola 1883 schreibt. Für ihn sind die Geschäfte wie Dampfmaschinen, Symbol und Triebkraft einer modernen Welt.

VEREINIGTE STAATEN

Von Paris aus tritt das Warenhaus seinen Triumphzug an. In New York wird 1858 „Macy’s“ gegründet – vom ehemaligen Walfänger Rowland Hussey Macy. Als Firmenlogo wählt er kurzerhand eine seiner Tätowierungen: den roten Stern. Nach und nach wachsen die Ansprüche. Die Geschäfte sollen jetzt alle erdenklichen Waren im Sortiment haben. „Eine ganze Stadt in einem Laden“, wirbt ein New Yorker Warenhaus im Jahr 1899.

LONDON

Auch London erhält bald sein erstes Warenhaus: Im Jahr 1863 öffnete Whiteley’s seine Türen. In den neunziger Jahren arbeiten 6000 Angestellte in dem Haus in Westminster. Für sie gelten 176 strenge Regeln und ein 14-Stunden Tag. Der Gründer William Whiteley verleiht sich selbst den Titel „der Universallieferant“. Denn in seinem Warenhaus gibt es laut Werbespruch alles zu kaufen – von der Stecknadel bis zum Elefanten.

DEUTSCHLAND

Die Deutschen entdecken das Warenhaus später als ihre europäischen Nachbarn. Erst 1875 gründen die jüdischen Kaufleute Georg Wertheim und Leonhard Tietz ein bescheidenes Warenhaus in Stralsund. Dabei bleibt es nicht: 1894 wird in der Oranienstraße in Kreuzberg das erste Wertheim-Haus in Berlin eröffnet. Das 1897 eröffnete Wertheim an der Leipziger Straße beherbergt einen Lichthof und einen Teesalon. Bald ist es das größte Warenhaus Europas. Bis zur Enteignung durch die Nazis bleibt Wertheim ein Synonym für Warenhaus.

DAS ENDE?

Das Wirtschaftswunder verhilft auch den Warenhäusern nach dem Krieg zu neuer Blüte. Ihr Niedergang beginnt erst in den achtziger Jahren, als auf der grünen Wiese Einkaufszentren nach US-Vorbild entstehen. Den Riesen von einst droht nun eine neue Konkurrenz. jte

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