Wirtschaft : Gesicht kostet extra

HEIKE JAHBERG

Berliner Bank berechnet für Foto auf Kreditkarte Zusatzgebühr VON HEIKE JAHBERG

BERLIN.Es geht zwar nur um sechs Märker, doch für die Verbraucherschützer haben diese sechs Silbermünzen grundsätzliche Bedeutung.Darf die Berliner Bank, so fragen die Verbraucherjuristen der Verbraucher-Zentrale NRW (VZ), von ihren Kunden besagte sechs DM zusätzlich verlangen, wenn diese sich für eine Kreditkarte entscheiden, auf der das Foto des Karteninhabers eingescannt ist? Zur Erinnerung: Seit längerem können die Kunden der Bank wählen, ob ihre Kreditkarte (Visa und/oder Eurocard) mit oder ohne Konterfei ausgerüstet werden soll.Wer die Foto-Lösung wählt, zahlt dafür jedes Jahr auf die Kartengebühr von 39 DM einen Zuschlag von sechs DM.Nur wer sich für die Doppelkarte (Visa plus Eurocard, Jahresgebühr 70 DM) entscheidet, bekommt die Foto-Karte zum Nulltarif.Den Aufschlag für das Foto rechtfertigt die Bank mit den höheren Kosten, die ihr durch das Einscannen des Bildes entstehen.Zudem liege die Foto-Lösung auch im Interesse des Kunden.Immerhin werde das Plastikgeld durch das Kundenporträt deutlich sicherer. Das Mißbrauchsargument will Rainer Metz, zuständiger Abteilungsleiter bei der VZ, nicht gelten lassen.Denn das Mißbrauchsrisiko trage normalerweise die Kartengesellschaft.Der Kunde haftet dann mit maximal 100 DM, wenn er nicht sorgfältig genug mit dem Plastikgeld umgegangen ist.Durch die Fotokarte, so Metz, setzen die Banken daher das Risiko eines Mißbrauchs herab, das normalerweise sie und nicht der Kunde haben.Dafür soll der Karteninhaber dann auch noch zahlen? Ins ferne Düsseldorf gingen Beschwerden von Bankkunden.Was die Karteninhaber besonders ärgert: Selbst wenn man ein eigenes Foto bei der Bank abliefert, wird die Gebühr fällig - und zwar während des Zweijahres-Zeitraums, in dem die Karte gültig ist, jedes Jahr aufs Neue.Worin die "entgeltpflichtige Dienstleistung" für den Kunden in einem solchen Fall liegt, vermag Metz nicht einzusehen: "Ein zusätzlicher Service für den Verbraucher ist damit nicht verbunden".Das sieht man bei der Bank anders: Es seien durchaus Sachverhalte denkbar, heißt es in einem Schreiben der Bank, in denen sich durch die Foto-Karte das Verlust- und Mißbrauchsrisiko zu Gunsten des Kunden reduziert.Das gelte nämlich dann, wenn sich der Kunde zwar sorgfaltswidrig verhalten habe, ein Mißbrauch aber daran scheitere, daß die Karte mit Foto ausgestattet ist. "Rund die Hälfte der Kunden wählt die Foto-Karte", berichtet Volker Winde von der Bank.Im Konzern der Bankgesellschaft (Berliner Bank, Landesbank) sind über eine Mill.Karten im Umlauf - dank der Kooperation mit dem ADAC.Rechnet man die Gebühren zusammen, kommt durchaus eine hübsche Summe zusammen.Grund genug, die Sache grundsätzlich zu klären.Denn auch andere Gesellschaften spielen mit dem Gedanken, sich die Foto-Karte extra honorieren zu lassen.So erwägt die Commerzbank, ebenfalls "ein paar Mark" Foto-Aufschlag zu berechnen, wenn sie das Foto-Plastik einführt.Daß es auch anders geht, zeigt die BfG-Bank.Hier gibt es die Kreditkarte standardmäßig sowieso nur mit Foto - und das alles umsonst.

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