Wirtschaft : Gespräch mit Vorstandschef Rüdiger Kapitza

Karlheinz Voss

Geplante Übernahme in Italien wird erneut überprüft - Besserer ServiceKarlheinz Voss

Die Anteilseigner der Gildemeister AG, Bielefeld, können mit einer deutlich höheren Dividende für 1999 rechnen. "Die Erwartungshaltung der Aktionäre liegt wohl bei 15 bis 20 Prozent. Das könnten wir realisieren", sagte Vorstandsvorsitzender Rüdiger Kapitza gegenüber dem Handelsblatt. Für 1998 hatten sie 5,50 Mark je 50-Mark-Aktie, also elf Prozent, bekommen. Das Ergebnis ist deutlich besser ausgefallen, als aus dem jüngsten Zwischenbericht erkennbar wurde. Der Umsatz erhöhte sich um rund 18 Prozent auf 1,35 Milliarden Mark. "Das Ergebnis ist kaum weniger gestiegen", sagte Kapitza. Im Aktionärsbrief hatte es geheißen, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit habe mehr als 60 (58) Millionen Mark erreicht, was vermuten ließ, es sei nur leicht gestiegen. Auch für das laufende Jahr sieht die Prognose des Vorstandsvorsitzenden besser aus als die im Zwischenbericht. Statt über 1,3 Milliarden Mark sollen Umsatz und Auftragseingang nun über 1,4 Milliarden Mark steigen. "Insgesamt werden die wesentlichen Werte um zehn Prozent besser ausfallen als 1999", sagt Kapitza voraus. Das gelte auch für das Ergebnis.

Der Maschinenbauer, der sich noch vor wenigen Jahren in einer schweren Krise befand und saniert werden musste, verfügt noch über einen steuerlichen Verlustvortrag von 150 Millionen Mark, so dass noch etwa zwei Geschäftsjahre steuerlich genutzt werden könnten. Altlasten seien im Übrigen nicht mehr vorhanden. Nicht zufrieden ist der Gildemeister-Chef allerdings mit dem Börsenkurs. Die Aktie wird derzeit mit rund 7,50 Euro bewertet (52-Wochen-Hoch/Tief 8,40/5,00 Euro). Dabei sieht Kapitza Gildemeister als Technologiekonzern mit Spitzenprodukten des Werkzeugmaschinenbaus in den Bereichen Drehen, Fräsen und Lasern. Im weltweiten Werkzeugmaschinenbau ist Gildemeister im Bereich Drehen und Fräsen auf Platz drei vorgedrungen. Forcieren will Gildemeister insbesondere die Auslandsaktivitäten und dabei vor allem das Dienstleistungsgeschäft. Man sei dabei, den Service "stark zu revolutionieren". Die Anwender verlangten heute eine völlig andere Maschinenverfügbarkeit als früher. Mit einem "Net-Service via Internet" optimiere Gildemeister den Service. Große Hoffnungen setzt Kapitza auch auf die Lasertechnologie: Maschinen für die dreidimensionale Oberflächenbearbeitung für filigrane Formen seien zur Serienreife gediehen.

Die Pläne, die frühere Tochter Gildemeister Italiana SpA zurückzukaufen, werden derzeit noch einmal überprüft. Das im Februar vorgelegte Übernahmeangebot zum Preis von 8000 Lire pro Aktie entsprach einem Übernahmepreis von rund 230 Millionen Mark. Inzwischen liege ein Angebot von umgerechnet 250 Millionen Mark vor. Gildemeister prüfe nun, "ob der Kauf nicht zu teuer" würde. Ob man das Angebot nun auf mindestens 8900 Lire pro Aktie, was 265 Millionen Mark entsprechen würde, erhöhen werde, sei noch offen. Mitte bis Ende März soll eine Entscheidung fallen. Finanziert werden soll der Kauf über Bankkredite.

Bei 220 Millionen Mark Umsatz habe sich der Ertrag des italienischen Unternehmens 1999 deutlich verringert. Der Überschuss sei von 13,7 auf 5,9 Millionen Mark abgesackt, wodurch die Umsatzrendite von 6,6 auf 2,6 Prozent zurückgegangen sei. Der italienische Drehmaschinenhersteller gehörte bereits 1969 bis 1996 zum Gildemeister-Konzern. Im Rahmen der Restrukturierung und Geldbeschaffung hatte das Unternehmen Gildemeister seine Mehrheitsanteile an der damals ertragsstarken Gesellschaft nach intensiver Prüfung veräußert. Drei Großaktionäre halten zusammen rund 60 Prozent des Kapitals.

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