Gespräch über das Neuland : Angela Merkel trifft Oliver Samwer

Der CDU-nahe Verein CNetz hat geladen, Angela Merkel und Oliver Samwer sind gekommen, um über die Chancen des digitalen Wandels zu diskutieren. Samwer wünscht sich mehr Engagement der Regierung, um mehr Wagniskapital nach Deutschland zu locken.

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Der Chef der Startup-Fabrik Rocket Internet, Oliver Samwer (links), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Moderator Cherno Jobatey und der Geschäftsführer Technik des Hausgeräte-Herstellers Miele, Eduard Sailer, diskutieren in Berlin über die Digitale Agenda. Eingeladen haben die CDU, die CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung und der Verein für Netzpolitik, CNetz.
Der Chef der Startup-Fabrik Rocket Internet, Oliver Samwer (links), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Moderator Cherno Jobatey...Foto: dpa

Die Annäherung ist schwierig. Oliver Samwer steht auf der Bühne des Konrad-Adenauer-Hauses ganz links außen – mit großem Abstand zu Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin nimmt selbstverständlich das Zentrum des Podiums ein. Sie ist hier zu Hause, auch wenn es an diesem Abend um das Neuland geht, die digitale Welt, der Heimat von Oliver Samwer also. Angela Merkel spricht ausführlich über die Chancen der Digitalisierung. Seltsam zurückhaltend dagegen bleibt der Auftritt des Gründers und Chefs von Rocket Internet, der sich selbst einmal als den aggressivsten Mann im Internet bezeichnet hat. Merkel nennt ihn immerhin den „Frontrunner des Internets“.

Ein 115 Jahre altes Start-up

Die CDU und CNetz, der CDU-nahe Verein für Netzpolitik, haben eingeladen, um über die Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels zu diskutieren. Das Interesse ist groß, die Gäste in der CDU-Zentrale stehen auf den Gängen bis in den dritten Stock, um die Diskussion zu verfolgen. Samwer ist wohl der einzige Mann im Saal, der nur ein blaues Hemd und kein Jacket trägt. Mit Merkel und Samwer diskutiert noch Eduard Sailer, Technik-Chef von Miele, der die traditionelle Wirtschaft vertritt. „Wir sind ein 115 Jahre altes Start-up“, erklärt er.

Es fehlt an Wagniskapital

„Ich bin schon seit 1998 Unternehmer im Internet“, erwidert Samwer. „Und ich werde es auch noch in den nächsten 25 Jahren sein“, sagt er trotzig. Er verweist darauf, wie viele Arbeitsplätze allein in Berlin durch Start-ups geschaffen wurden. Alle zusammen seien inzwischen bestimmt der größte Arbeitgeber in der Stadt, mutmaßt er. Dabei gibt er sich durchaus staatstragend: Die Ausgangslage in Deutschland sei gar nicht so schlecht. „Wir sind nach Deutschland zurückgekommen, weil wir an Deutschland glauben“, sagt er. Aber hier fehle es an Wagniskapital. Während hierzulande zwei- bis dreimal im Monat einem Start-up eine Finanzierungsrunde von 20 Millionen Euro gelinge, passiere das in den USA 20 bis 30 Mal am Tag. Die Summen, die benötigt würden, um Unternehmen wie den Elektrofahrzeugbauer Tesla oder den Internetkonzern Google aufzubauen, seien hier nicht aufzubringen, beklagt er.

Talente nach Deutschland holen

Samwer wünscht sich von der Politik bessere Rahmenbedingungen für Wagniskapital. „Wenn die Politik einen Euro gibt, werden vier bis fünf private Euro dazukommen“, verspricht er. Ob er ihr das garantieren könne, will Merkel prompt wissen. Und sie will wissen, was er sich denn sonst noch wünscht. Abseits vom Geld ist das offenbar nicht viel: Ausländische Experten nach Deutschland zu holen solle leichter und unbürokratischer werden, sagt Samwer. Und neben Deutsch und Englisch sollten die Schüler auch Programmieren lernen. Und er schlägt vor, dass Gründerpersönlichkeiten wie Hasso Plattner von SAP in den Schulen für Unternehmertum werben.

"Ich kann auch etwas", sagt Samwer

„Selbst wenn ich noch Verluste mache, ich kann auch etwas“, sagt Samwer auf Merkels Frage, wie das sei, wenn man jahrelang mehr Geld ausgebe als man einnehme und eine hohe Bewertung an der Börse erzielt, ohne Gewinne zu machen. Doch seine Visionen ausbreiten, das will Samwer an diesem Abend offensichtlich nicht. Auch Merkel bleibt eine Antwort schuldig. „Ich kaufe wenig im Internet ein“, verrät sie, aber nicht, was sie dort schon gekauft hat. „Ich bin doch nicht blöd“, erklärt sie dem Moderator.

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