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Gespräche mit Edeka und Rewe : Schicksal der Berliner Kaiser's-Filialen hängt an NRW

Ringen um Kaiser's Tengelmann: Die Ketten Rewe und Edeka ringen um die Filialen in Bayern und Berlin. Für die eher schwachen Standorte in NRW hat Edeka dem Rivalen ein Angebot gemacht.

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Ausverkauf: Die Schlichtung bei Kaiser's Tengelmann kommt voran.
Ausverkauf: Die Schlichtung bei Kaiser's Tengelmann kommt voran.Foto: Bernd Thissen/dpa

Die Parteien im Streit um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann suchen weiter nach einer Lösung. An diesem Montag wollen sich die Kontrahenten, darunter Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Chef Alain Caparros, unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) an einem unbekannten Ort erneut treffen. Ein Treffen am vergangenen Donnerstag war ohne Ergebnis abgebrochen worden.

„Es gibt keine Einigung“, sagte ein Rewe-Sprecher am Sonntag und dementierte damit einen Bericht der „Bild am Sonntag“. Das Blatt hatte geschrieben, Mosa und Caparros hätten sich weitgehend auf eine Aufteilung der Filialen in Berlin und Bayern verständigt. Rewe solle den Großteil der Läden in der Hauptstadt erhalten, Edeka im Gegenzug fast alle Filialen in Bayern. Keine Einigung gebe es hingegen für Nordrhein-Westfalen. Die dortigen knapp 100 Filialen gelten als die größten Verlustbringer bei. Weder Edeka noch Rewe hätten Interesse an dem NRW-Geschäft, auch weil sie die dortigen Mitarbeiter für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren übernehmen müssten, hieß es in dem Blatt. Die beiden Supermarkt-Konzerne würden die Filialen in Berlin und Bayern allerdings nur bekommen, wenn sie sich auf eine Aufteilung der NRW-Läden einigen könnten, hieß es.

Wie der Tagesspiegel von einem Insider erfuhr, hat Edeka dem Konkurrenten Rewe angeboten, ihm in der Region Nordrhein Kaiser’s-Tengelmann-Märkte mit einem jährlichen Umsatzvolumen in dreistelliger Millionenhöhe zu verkaufen. Dies entspreche rund 75 von 100 Standorten. Das Fleischwerk in Viersen will Edeka demnach aber nicht abgeben.

Die Lage ist verworren, da sich die beteiligten offenbar auch nicht sicher sind, wie sie sich verständigen können ohne, dass weitere Konkurrenten sich wieder einmischen und die Einigung womöglich ebenfalls juristisch anfechten. Vor dem Hintergrund mochte am Sonntag niemand der Beteiligten eine Prognose abgeben, ob es Schröder überhaupt gelingen kann, erfolgreich zu vermitteln.

Betriebsräte sehnen einen Durchbruch herbei. „Wir hoffen, dass es am Montag eine Lösung gibt. Wenn es Dienstag wird, bin ich auch nicht traurig, aber allen Beteiligten ist klar, dass die Zeit drängt“, sagte der Betriebsratschef von Kaiser's Tengelmann in Nordrhein-Westfalen, Rainer Schroers, der „Wirtschaftswoche“. Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Janetta Jöckertitz sagte: „Solange die Herren miteinander reden, ist eine Einigung möglich.“

Die Ursprünge dieses Gerangels um das Unternehmen mit seinen mehr als 15000 Mitarbeiter ist mehr als zwei Jahre alt. Damals hatte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub erklärt, er wolle Kaiser's Tengelmann als Ganzes an den Branchenprimus Edeka veräußern. Die Transaktion schien besiegelt, Rewe hatte das Nachsehen. Das Bundeskartellamt legte ein Veto gegen die Pläne ein, doch Wirtschaftsminister Gabriel überstimmte die Wettbewerbshüter mit einer Sondererlaubnis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf wiederum legte die Ministererlaubnis nach Klagen von Norma, Markant und Rewe auf Eis. Der Discounter Norma und die Handelskooperation Markant haben ihre Beschwerden zurückgezogen. mit dpa und Reuters

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