Wirtschaft : Gespräche werden am Dienstag wieder aufgenommen

24.04.2000 00:00 Uhr

Die Londoner Börse (LSE) und die Deutsche Börse wollen nach Informationen aus Kreisen ihre Fusionsverhandlungen am Dienstag wieder aufnehmen. Die Gespräche würden vor dem Hintergrund einer Reihe von ungünstigen Zeitungsartikeln stattfinden, wonach die Londoner Börse auch die US-Computerbörse Nasdaq umwerben wolle, hieß es. Die Atmosphäre werde auch durch ein internes Dokument der Londoner Börse belastet, das versehentlich veröffentlicht wurde. Eine Sprecherin der Londoner Börse wollte die Berichte nicht kommentieren. Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte auf Anfrage ebenfalls keine Stellung zum Zeitungsbericht nehmen.

Die Londoner Börse soll nach mehreren Zeitungsberichten Gespräche mit der Nasdaq über eine Allianz führen.

Die Zeitung "Daily Telegraph" berichtete, dass die Nasdaq, die bereits ein europäisches Geschäft plant, eine Rolle bei einer fusionierten Börse spielen wolle. Eine LSE-Sprecherin bestätigte nur, dass die Londoner Börse Gespräche mit einer Reihe von anderen Börsen führe.

Einem versehentlich an die Presse verschickten Memorandum der LSE ist ein Plan zu entnehmen, wie vorgegangen werden solle, wenn die Fusion platzen sollte. Demnach solle in dieser Situation der deutschen Seite Inflexibilität vorgeworfen werden. Mit diesen Argumenten solle die Deutsche Börse für ein Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht werden. In der "Sunday Times" war zu lesen, dass die Londoner Börse nicht der Junior Partner bei einer Fusion mit der Deutschen Börse werde wolle. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Werner Seifert, dürfte nach Einschätzung von Beobachtern die fusionierte Börse führen, während LSE-Chef Gavin Casey auf der Verlierseite stehen könnte.

"Die Börsen hatten sich vergangenen Freitag als Termin gesetzt, um die Transaktion zu beschließen. Das haben sie aber nicht geschafft. Sie haben sich eine weitere Woche gegeben", hieß es aus Kreisen. Sie verwiesen darauf, dass die Deutsche Börse unter großem Druck stehe, noch vor der Aktionärsversammlung am 4. Mai Details für ihren geplanten Börsengang zu nennen.

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse sollen nach einem Bericht der "Financial Times" bereits die größte Hürde ihrer geplanten Fusion aus dem Weg geräumt haben. Die Börsen in Frankfurt und London hätten sich darauf verständigt, dass die Clearing- und Abwicklungsgeschäfte nicht in die Fusion eingeschlossen würden, berichtete die "Financial Times". Nach einer erwarteten Fusion soll das britische Börsen-Abrechnungssystem Crest einem Bericht zufolge aus Wettbewerbsgründen seine Gebühren um bis zu zwei Drittel senken. Crest werde in dieser Woche ankündigen, dass die größten Systemnutzer Preisnachlässe von bis zu zwei Dritteln erhielten.

Die mögliche Fusion der Börsen wäre nach Analysten-Einschätzung auch eine Reaktion auf die angekündigte Fusion der Börsen Amsterdam, Brüssel und Paris zum gemeinsamen Handelsplatz "Euronext".

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