Gesundheit : Versicherer werfen Helios-Kliniken „Abzocke“ vor

Rechnungen von Privatpatienten sind zu hoch, klagt der Verband – der Krankenhaus-Konzern wehrt sich

Joachim Telgenbüscher
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Design im Krankenzimmer: Privatklinik des Krankenhauskonzerns Helios. Foto: dpa

Berlin - Sie sind die versteckten Schönheiten des Berliner Krankenhaus-Konzerns Helios: Zimmer mit dunklen Parkettfußböden, weinroten Wänden und einer gut bestückten Minibar. Auch in Berlin-Buch und Zehlendorf betreibt eine Helios-Tochter luxuriöse Kliniken für Privatpatienten. Lange hat Helios über diese Mischung aus Nobelhotel und Krankenhaus wenige Worte verloren. Bis zum vergangenen Donnerstag.

Grund für die plötzliche Offenheit ist eine Klage des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV). Er wirft dem Konzern vor, mit seiner Tochterfirma, der Helios Privatkliniken GmbH, „ein juristisches Konstrukt zur Abzocke von Privatpatienten“ geschaffen zu haben. Die Privatkliniken seien keine eigenständigen Krankenhäuser, sondern gesetzeswidrige Ausgründungen eines öffentlichen Krankenhauses. Schließlich befinden sie sich auf dem Gelände der normalen Helios Krankenhäuser und nutzten auch deren Ärzte, OPs und Technik. Ihr einziger Zweck sei es, Privatpatienten für die gleiche medizinische Leistung einen überhöhten Preis zu berechnen. Im Prinzip werde seinen Versicherten heiße Luft teuer verkauft, sagt der PKV-Vorsitzende Joachim Patt.

„Unsere Leistungen sind ihren Preis wert“, sagt der Geschäftsführer der Helios Privatkliniken, Silvio Rahr. Und der ist hoch: eine Hüftoperation kostet in der Helios Privatklinik 13,7 Prozent mehr als in der normalen Klinik ein Stockwerk tiefer. Bei einer Blinddarm-OP werden sogar 30 Prozent Aufschlag fällig. Rahr erklärt den Unterschied mit dem besseren Service: Die Kunden könnten auch Abholdienste, DVD-Player und W-LAN nutzen. Der höhere Preis sei außerdem angemessen, weil die Privatkliniken nicht von Investitionshilfen profitierten. In Berlin hat Helios 13 Million Euro investiert. Wenn es gewünscht sei, könnten sich Privatpatienten natürlich auch im normalen Helios-Haus behandeln lassen.

Bereits vor zehn Jahren hat Helios die erste Privatklinik gegründet – mit eigener Rechtsform, aber ohne eigene Ärzte und Pfleger. Bis Herbst 2008 funktionierte das auch: Die einzelnen Mitglieder des PKV hatten Verträge mit Helios, die die Bezahlung regelten. Dann startete der Verband eine „generalstabsmäßig geplante Kündigungsaktion“, sagt Helios-Chef Francesco De Meo. Er vermutet, dass es dem PKV-Verband darum geht, niedrigere Preise zu erzielen. Der PKV sieht das anders: Man habe nicht verhandelt, weil Helios eine Abrechnung auf der Grundlage des Krankenhausentgeltgesetzes verweigert, sagt PKV-Sprecher Dirk Lullies.

Angesichts des Rechtsstreits spielt De Meo die Bedeutung seiner Privatkliniken herunter. Nur 4,5 Prozent aller Helios-Patienten seien dort Kunden. Das eigentliche Geschäft von Helios sind Kauf und Sanierung öffentlicher Krankenhäuser. Im vergangenen Jahr machte der Konzern rund zwei Milliarden Euro Umsatz. Den Beitrag der Privatkliniken kann man nur schätzen, er liegt aber wohl im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Die Kündigungsaktion spüre Helios nicht, sagt De Meo: „2008 hatten wir im Gesamtkonzern fünf Prozent organisches Wachstum. Wir erleben also weiterhin einen Anstieg der Patientenzahlen.“

Dennoch sind die 36 Privatkliniken für Helios immens wichtig. Nicht zufällig baut Helios an neu erworbenen Krakenhäusern oft als Erstes eine Privatklinik. Die funktionieren wie ein Turbolader für das öffentliche Krankenhaus, in dem sie sich befinden. Da die Privatkliniken alle Leistungen im normalen Krankenhaus einkaufen, kommen ihre Einnahmen diesen auch direkt zugute. So kann Helios die ehrgeizigen Renditeziele für seine 62 öffentlichen Krankenhäuser erreichen: „Hätten wir die Erlöse nicht, müssten wir überlegen, ob und wie wir in den Plankrankenhäusern die Kosten weiter reduzieren“, sagt De Meo.

Über den Ausgang des Rechtsstreits macht er sich keine Sorgen. „Was wir in Gesetzen und Gutachten zu der Fragestellung lesen, stimmt uns zuversichtlich.“ Ob er recht hat, wird sich frühestens Ende des Jahres zeigen. Patienten, die sich in einer Privatklinik behandeln lassen, müssen sich indes keine Sorgen machen. Wenn ihre Versicherung nicht zahlt, schickt Helios ihnen auch keine Rechnung. Joachim Telgenbüscher

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