Wirtschaft : Gesundheit

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Die Deutschen werden immer älter, die Arzneien immer ausgefeilter, die Medizingeräte immer leistungsfähiger – deshalb verschlingt das Gesundheitssystem immer mehr Geld. Doch während die Ausgaben den gesetzlichen Krankenkassen davonlaufen, verharren die Einnahmen auf der Stelle. Deshalb ist in der Krankenversicherung allein im ersten Halbjahr 2002 ein Defizit von 2,4 Milliarden Euro aufgelaufen. Wenn nichts passiert, steigen die Kassenbeiträge zum Jahreswechsel erneut, dann auf durchschnittlich 14,5 bis 15 Prozent. Für Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von 3375 Euro hieße das: Mehr als 30 Euro Aufschlag im Monat, 506,25 statt 472,50 Euro.

Gesundheitsforscher sind sich einig, dass die Regierung die nächste Beitragsrunde nicht mehr abwenden kann. Schuld sind zum einen die immer weiter gestiegenen Kosten für die Krankenhaus-Behandlung und für Medikamente. Zum anderen ist es Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) mit ihren halbherzigen Reformen nicht gelungen, die Kostenspirale zu durchbrechen. Und auch mit ihren bislang bekannten Plänen für die kommenden Monate dürfte das kaum zu schaffen sein. Der Grund: Schmidt setzt auf Prävention und mehr Behandlungsqualität. Das ist zwar richtig, denn vor allem chronisch Kranke werden hier zu Lande schlechter versorgt als im Ausland, besonders bei chronischen Leiden wie Diabetes oder Brustkrebs. Doch bis die Maßnahmen der Ministerin kostenwirksam werden, dauert es womöglich Jahre – zu lange für das marode System.

Ähnlich sieht es aus bei den beiden großen Kostentreibern, den Krankenhäusern und den Arzneien. Die Klinik-Finanzierung wurde zwar reformiert, und der von Schmidt geplante Vertrieb von Medikamenten über das Internet kann Einsparungen bringen. Den steigenden Beitragsdruck können diese Maßnahmen aber nicht lindern – ähnlich wie bei der Rente wird auch im Gesundheitssystem die steigende Lebenserwartung der Deutschen zu einem immer größeren Problem. Denn steigende Beiträge kosten zugleich Jobs.

Damit das System nicht kollabiert, muss die Koalition also zu härteren Maßnahmen greifen. Weil höhere Beiträge oder Zuzahlungen kaum durchsetzbar sein dürften, muss es deshalb früher oder später Leistungskürzungen geben. brö

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