Gesundheitsgeschäft : Bayer legt zu dank Berlin

Neue Medikamente wie das Schlaganfall-Mittel Xarelto bescheren dem Pharmakonzern einen kräftigen Umsatzsprung. Die Antibaby-Pillen, die das Unternehmen von der Berliner Schering erbte, machen aber weiter Sorgen.

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Die richtige Mischung. Bayer macht immer mehr Umsatz mit seinen neuen Medikamenten.
Die richtige Mischung. Bayer macht immer mehr Umsatz mit seinen neuen Medikamenten.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Neue Pharmaprodukte haben Bayer im zweiten Quartal ein kräftiges Wachstum beschert. Der Umsatz des Leverkusener Konzerns, dessen Pharmageschäft seit der Schering-Übernahme seinen Hauptsitz in Berlin hat, stieg von April bis Juni auf 10,36 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis kletterte um fast 75 Prozent auf 841 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatten hohe Rückstellungen für Rechtsfälle den Gewinn gedrückt.

Bayer hat mehrere wichtige neue Krebs- und Schlaganfall-Medikamente auf den Markt gebracht, mit denen der Konzern nun in diesem Jahr einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro erzielen will. Allein der Gerinnungshemmer Xarelto, das Augenmedikament Eylea und das Krebspräparat Stivarga generierten im zweiten Quartal einen Erlös von insgesamt 339 Millionen Euro – vor einem Jahre waren es noch 68 Millionen.

Perspektivisch hofft das Unternehmen einen jährlichen Spitzenumsatz der neuen Mittel von 5,5 Milliarden Euro.

Insgesamt stieg der Umsatz im Berliner Pharmageschäft um 5,5 Prozent auf 2,831 Milliarden Euro. Einbrüche gab es aber wie schon in den vergangenen Quartalen bei den Antibaby-Pillen Yaz und Yasmin. Sie gehören zu den umsatzstärksten Mitteln der Sparte und wurden damals von Schering übernommen. Weil aber in den USA günstige Nachahmerpräparate auf dem Markt sind, ging der Umsatz im zweiten Quartal währungsbereinigt um 10,9 Prozent zurück. Zudem sind derzeit 5400 Klagen in den USA wegen angeblicher Gesundheitsschäden durch die Pillen anhängig. Die Präparate mit dem Wirkstoff Drospirenon werden mit einem höheren Thrombose-Risiko in Verbindung gebracht. Insgesamt zahlte Bayer bisher 1,4 Milliarden US-Dollar für Vergleiche mit Klägerinnen – ohne Anerkennung einer Haftung.

Während das Pflanzenschutzgeschäft beim operativen Gewinn kräftig zulegte, macht die Kunststoffsparte Bayer wegen der schwachen Autokonjunktur Sorgen. Der bereinigte operative Gewinn schrumpfte um 28,5 Prozent auf 274 Millionen Euro. „Unseren Konzernausblick für 2013 behalten wir bei, auch wenn dieser zunehmend ambitioniert erscheint“, sagte Konzernchef Marijn Dekkers. Es bleibe abzuwarten, inwieweit die unerwartet schwache Entwicklung der Kunststoffsparte durch ein besseres Abschneiden im Gesundheitssegment und im Pflanzenschutzbereich ausgeglichen werden könne. Bayer geht für 2013 von einer Umsatzsteigerung von vier bis fünf Prozent auf rund 40 bis 41 Milliarden Euro aus. Der bereinigte operative Gewinn soll im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

An der Börse konnte Bayer trotz der Skepsis punkten. „Die neuen Pharmaprodukte, Xarelto und Eylea, schnitten etwa 20 Prozent besser ab als die Konsensschätzungen“, erklärte J.P. Morgan. Bayer-Aktien stiegen zeitweise auf ein Rekordniveau von 88,04 Euro.

Unterdessen hat der Konzern bei einem hormonellen Präparat, das in Frankreich kurzfristig vom Markt genommen wurde, einen Erfolg errungen. Die EU-Kommission entschied, dass das umstrittene Aknemittel Diane 35 künftig auch in Frankreich wieder vertrieben werden darf. Damit habe die Kommission die Nutzen und Risiken von Diane 35 bestätigt, wenn das Mittel entsprechend seiner Marktzulassung angewendet wird, erklärte die französische Tochter von Bayer in Paris. Bayer werde nun eng mit der französischen Arzneimittelaufsicht (ANSM) beim Vertrieb in Frankreich zusammenarbeiten. Frankreich hatte im Januar beschlossen, Diane 35 und
kostengünstigere Nachahmungen, sogenannte Generika, wegen gefährlicher Nebenwirkungen vom Markt zu nehmen. Diane 35 war in Frankreich seit 1987 als Mittel gegen Akne zugelassen. Weil es wegen der enthaltenen Hormone eine verhütende Wirkung hat, wurde es aber auch häufig als Anti-Baby-Pille eingenommen. Die ANSM hatte ihre Entscheidung zum Verbot von Diane 35 vor allem damit begründet, dass das Medikament wegen der Thrombose-Risiken als Akne-Mittel nicht geeignet sei. mit rtr

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