Gesundheitsstudie : Berliner überdurchschnittlich viel am Schreibtisch

Arbeitnehmer in der Hauptstadt leben gefährlich. Einer Untersuchung zufolge verbringen Berliner bundesweit die meiste Zeit im Sitzen und rauchen überdurchschnittlich viel.

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Zu wenig Bewegung. Besonders in Berlin verlassen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz nur selten. Das hängt mit den vielen Dienstleistungsjobs zusammen.
Zu wenig Bewegung. Besonders in Berlin verlassen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz nur selten. Das hängt mit den vielen...Foto: picture alliance / dpa

Arbeitnehmer in der Hauptstadt leben gefährlich. Nach einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Krankenversicherung (DKV) und der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) verbringen Berliner im bundesweiten Vergleich die meiste Zeit im Sitzen und rauchen überdurchschnittlich viel. Für die repräsentative Studie „Wie gesund lebt Deutschland“ hatte das Meinungsforschungsinstitut Gfk zwischen Februar und April 2016 fast 3000 Menschen im gesamten Bundesgebiet zu ihren Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, Stressfaktoren sowie zum Konsum von Tabakwaren und Alkohol befragt.

Die Berliner sitzen durchschnittlich neun Stunden pro Tag

Den Ergebnissen der Untersuchung zufolge bewegen sich die Hauptstädter ausgesprochen ungern: An einem gewöhnlichen Wochentag verbringen sie fast neun Stunden im Sitzen – mehr als in jedem anderen Bundesland. Auf den folgenden Plätzen finden sich Hessen, Niedersachsen und Bremen. Die Zahlen beziehen sich dabei nicht nur auf sitzende Tätigkeiten am Arbeitsplatz, sondern schließen auch den Freizeitbereich ein. "Die Deutschen bewegen sich zu wenig“, sagt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln, dessen Institut den Gesundheitszustand der Deutschen alle zwei Jahre unter die Lupe nimmt. Dem Professor zufolge muss dauerhaftes Sitzen durch ausreichend Bewegung ausgeglichen werden, damit es nicht zu Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden oder anderen Erkrankungen kommt. Mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche sind Froböse zufolge nötig, um den menschlichen Organismus vom übermäßigen Sitzen zu entlasten. Doch selbst das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geforderte Minimalpensum schafft in Deutschland offenbar nur eine Minderheit: In diesem Jahr gaben nur 45 Prozent der Befragten an, die WHO-Vorgabe im Alltag zu erfüllen. Bei der Studie zwei Jahre zuvor waren es noch 52 Prozent gewesen.

In der Hauptstadt arbeiten besonders viele Menschen im Dienstleistungssektor

Warum gerade die Berliner so viel Zeit im Sitzen verbringen, erklärt die Studie nicht. Vermutlich hängen die überdurchschnittlich hohen Sitzzeiten in der Hauptstadt zum einen mit der dortigen Beschäftigungsstruktur zusammen: Die meisten Beschäftigten in der Berlin arbeiten im Dienstleistungssektor. Laut dem DKV-Report verbringen gerade die Mitarbeiter von IT-Unternehmen, Energieversorgern, Wasserbetrieben, Versicherungen und Finanzdienstleistern sowie Marketing- und PR-Angestellten im Branchenvergleich die meiste Zeit am Schreibtisch. Gleichzeitig ist der Leistungsdruck in den genannten Wirtschaftszweigen bekanntermaßen hoch.

Immer weniger Beschäftigte leisten sich eine Pause

Offenbar hindern aber auch die Arbeitsverdichtung und der wachsende Zeitdruck in den Unternehmen ihre zunehmend Mitarbeiter daran, sich zumindest für eine kurze Unterbrechung von Schreibtisch und Rechner fortzubewegen. „Die Pause wird in deutschen Unternehmen leider nicht wertgeschätzt“, moniert Ingo Froböse. „Dabei wären regelmäßige Unterbrechungen der Arbeit alle 20 bis 30 Minuten aus unserer Sicht durchaus wünschenswert.“ Es sei Aufgabe der Arbeitgeber, Mitarbeiter sowohl über die negativen Folgen von zu wenig Bewegung als auch die positiven Konsequenzen sportlicher Aktivitäten informieren und Bewegung zur Unternehmenskultur zu erklären. Laut der DKV-Studie denken fast 50 Prozent der Befragten, dass langes Sitzen am Schreibtisch keinerlei negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat.

Zuhause locken der Fernseher und der Computer

Was die Beschäftigen in ihrer Freizeit tun, liegt indes weitgehend außerhalb der unternehmerischen Reichweite. Die jetzt vorgelegte Untersuchung zeigt, dass die Deutschen nach Feierabend besonders viel Zeit vor dem Fernseher verbringen. Rund 120 Minuten pro Tag sitzen die Bundesbürger durchschnittlich vor der Flimmerkiste, jeder Fünfte sogar drei Stunden oder länger. Aber auch der heimische Computer oder das Tablet halten immer mehr Menschen davon ab, sich zu bewegen: Eine Stunde wenigstens verbringen die Deutschen zu Hause am Rechner.

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