Gesundheitswesen : Radikaler Umbau der Privatkassen im Gespräch

In der Versicherungsbranche ist ein Streit über die Zukunft der Krankenversicherung entbrannt. Große Konzerne wie Allianz oder Axa streben offenbar eine Einheitsversicherung für alle an. Bei kleineren Anbietern stoßen die Pläne auf Widerstand.

BerlinDer Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) plädiert in einem Arbeitspapier für die Einführung einer Einheitsversicherung mit Grundschutz für alle Einwohner, wie die "Financial Times Deutschland" berichtete. Daneben würden die privaten Kassen Zusatzversicherungen für Leistungen anbieten, die der Grundtarif nicht abdeckt. Die bisherige private Krankenvollversicherung, die neben den gesetzlichen Kassen besteht, würde damit abgeschafft.

Einheitsprämie für alle

Dem Vorschlag zufolge würden die Krankenversicherer anders als heute künftig Einheitsprämien berechnen, unabhängig von Alter und Geschlecht, hieß es in dem Bericht. Die Grundsicherung wäre demnach für alle verpflichtend, wie es der SPD-Vorschlag einer Bürgerversicherung vorsieht. Sowohl gesetzliche Kassen als auch private Versicherer würden diese Grundsicherung anbieten, und zwar zu denselben Konditionen. Alle Anbieter müssten jeden Versicherten akzeptieren, für Kinder würde der Staat die Beiträge zahlen. Langfristig sieht der Vorschlag vor, die Trennung zwischen gesetzlichen Kassen und Privaten komplett aufzuheben.

GDV: Diskussion dauert noch an

GDV-Sprecher Peter Schwark sagte, es gebe einen Diskussionsprozess über die Zukunft der Krankenversicherung. Dieser dauere aber noch an. Der "FTD" zufolge dringen große Konzerne wie Allianz, Axa und Ergo auf einen Radikalumbau des Gesundheitssystems. Aus Teilen der Versicherungsbranche gebe es allerdings erbitterten Widerstand gegen den Vorstoß. "Die Kopfprämie wäre durch die Hintertür die Einführung einer Einheitsversicherung in Deutschland und das Ende der privaten Krankenversicherung", sagte Uwe Laue, Vorstandschef der Privatversicherung Debeka, dem Blatt. "Die Bundesregierung würde dann wie beim Gesundheitsfonds den Beitrag festlegen, dann ist der Wettbewerb total zerstört." Von Zusatztarifen allein könne die PKV nicht leben. (svo/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben