Getränkeindustrie : Chinesen trinken Coca-Cola

Inder und Chinesen haben immer mehr Durst auf Coca Cola. Der weltgrößte Getränkehersteller steigert seinen Gewinn stärker als erwartet.

Corinna Visser
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Beliebte Brause. Coca-Cola steigerte den Absatz um vier Prozent. Foto: K. Kleist-Heinrich

Berlin - Inder und Chinesen haben immer mehr Durst auf Coca-Cola. Während der Absatz des weltgrößten Getränkeherstellers im Heimatmarkt USA in den vergangenen drei Monaten zurückging, legte er in China um 14 Prozent, in Indien sogar um 33 Prozent zu. Auch in Europa konnte das Unternehmen zwar mehr Getränke absetzen als im Vorjahresquartal, doch die negativen Auswirkungen von Währungseffekten ließen den Umsatz schrumpfen. Konzernchef Muthar Kent sieht die Coca-Cola Company auf gutem Weg, die selbstgesteckten Vorgaben zu erreichen. Im April hatte das Unternehmen das langfristige Ziel bekräftigt, die Verkäufe um drei bis vier Prozent zu steigern. Zudem will es bis 2011 jährlich 500 Millionen Dollar sparen.

Die guten Verkäufe in den Schwellenländern bescherten Coca-Cola einen überraschend hohen Gewinn. Der Überschuss kletterte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 43 Prozent auf zwei Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro), wie Coca-Cola am Dienstag in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia mitteilte. Der Umsatz sank dagegen um neun Prozent auf knapp 8,3 Milliarden Dollar.

Im Gegensatz zu dem Rivalen PepsiCo will Coca-Cola-Chef Kent an seinem Konzessionsmodell festhalten. Coca-Cola verkauft seine Konzentrate an unabhängige Produzenten, die die Getränke dann abfüllen und vertreiben. Viele Analysten hatten das Geschäftsmodell zuletzt angezweifelt. PepsiCo hat den Strategiewechsel bereits eingeleitet und will das in den USA getrennt vom Konzern geführte Abfüllgeschäft wieder unter seine Kontrolle bekommen. Coca-Cola tut das bislang nicht.

In Deutschland füllt die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG (CCE) die Getränke für Coca-Cola ab. Coca-Cola hält 83 Prozent an der AG, der Rest ist im Streubesitz. Zu den Anteilseignern gehören ehemalige Abfüller, die früher unabhängig voneinander agierten. 2007 wurde das Abfüllgeschäft unter einem Dach vereint. 27 Produktionsstätten gibt es verteilt im Bundesgebiet. Nach Auffassung des Unternehmens sind das zu viele. CCE will die Produktion bündeln und Überkapazitäten abbauen. Im Zuge dessen sollen die Produktionsstätten in Kaiserslautern und Münster geschlossen werden. Betroffen von der Schließung sind 120 Mitarbeiter in Kaiserslautern und 60 Mitarbeiter in Münster. Allen Beschäftigten seien neue Arbeitsplätze am Standort oder in anderen Werken im Umkreis von 100 Kilometern angeboten worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum Jahresende ausgeschlossen. Ein Interessenausgleich sei bereits unterzeichnet, sagte der Sprecher. Allerdings muss dieser noch vom Gesamtbetriebsrat genehmigt werden.

Ob das geschieht, ist offen. Denn die Mitarbeiter seien wütend und von den Plänen nicht überzeugt, sagte Claus-Harald Güster, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten, dem Tagesspiegel. Er wirft der Unternehmensleitung Starrsinnigkeit vor. „Wir halten die Schließung nach wie vor für den völlig falschen Weg, weil wir überzeugt sind, dass sowohl in Kaiserslautern als auch in Münster mit dem regionalen Konzept vernünftig gearbeitet werden kann.“

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