Getrieben durch die Angebote der Supermärkte : Die Deutschen kaufen immer häufiger Fairtrade

Der Handel hat 2014 mit fair gehandelten Produkten mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt - mehr als je zuvor. Doch dieses Ergebnis hört sich besser an, als es ist.

Alexander Triesch
Kaffee-Arbeiter im Kongo: Nur drei von 100 getrunkenen Kaffees in Deutschland sind aus fair gehandelten Kaffeebohnen.
Kaffee-Arbeiter im Kongo: Nur drei von 100 getrunkenen Kaffees in Deutschland sind aus fair gehandelten Kaffeebohnen.Foto: AFP

Nur drei aus hundert. So viele Tassen Kaffee, die in Deutschland jährlich getrunken werden, sind fair gehandelt. Das entspricht einem Absatz von insgesamt 15 000 Tonnen, eine Verdopplung innerhalb der letzten vier Jahre. Mit einem Anteil von 38 Prozent am Gesamtumsatz von Waren, die ein entsprechendes Fair-Trade-Siegel tragen, ist das Lieblingsgetränk der Deutschen – nach Erdöl der meistgehandelte Rohstoff weltweit – das führende Produkt.

Und für diese fair gehandelten Waren geben deutsche Verbraucher zunehmend mehr Geld aus: Für gut eine Milliarde Euro kauften sie im vergangenen Jahr Produkte, deren Anbieter Wert auf faire Löhne und gerechte Arbeitsbedingungen legen; eine Steigerung um 31 Prozent im Vergleich zu 2013 und doppelt so viel wie noch vor drei Jahren. Das gab das Forum Fairer Handel, das Fairtrade-Netzwerk in Deutschland, am Mittwoch in Berlin bekannt. „Das ist für uns ein klares Signal, dass die menschenwürdige Produktion unserer Alltagsgüter immer mehr Menschen in Deutschland wichtig ist“, sagte Manuel Blendin, Geschäftsführer des Netzwerks, das für mehr fairen Handel in der Welt eintritt.

Die Deutschen geben nur 13 Euro im Jahr für Fairtrade aus

Getrieben wird das Wachstum vor allem durch die Angebote der Supermärkte. Waren mit dem Fairtrade-Siegel, die in großen Handelsketten zunehmend in den Regalen liegen, machen dagegen mit knapp 800 Millionen Euro den größten Teil aus. Im europäischen Vergleich hat Deutschland allerdings das Nachsehen: Hierzulande geben Verbraucher nur 13 Euro pro Jahr für fair gehandelte Produkte aus, die Briten kommen dagegen auf 33 Euro, die Schweizer sogar auf 57 Euro.

Die überwiegend guten Zahlen sind für die Organisation zwar erfreulich, für mehr Gerechtigkeit bedürfe es aber politischer Weichenstellungen abseits freiwilliger Unternehmensinitiativen. Auch deutsche Unternehmen seien an Menschenrechtsverletzungen beteiligt und profitierten davon: „Die deutsche Gesetzgebung muss bestehende Grauzonen beseitigen“, sagte Armin Massing, politischer Referent des Dachverbandes. Noch immer lehnten viele Unternehmen die Verantwortung für ihre Lieferketten ab.

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