Wirtschaft : Getrübte Freude

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Von Corinna Visser

Zufriedene Gesichter in München und Bonn. Gut gelaunt präsentierten die Konzernchefs von Siemens und Telekom am Donnerstag ihre Zahlen. Beide haben bessere Ergebnisse abgeliefert, als Marktbeobachter erwartet hatten. Beide haben ihre Konzerne in den vergangenen Monaten radikalen Sparkuren unterzogen und umgebaut. Inzwischen sind sie so fit, dass sie selbst bei anhaltend schwacher Konjunktur nicht in Turbulenzen geraten werden. Und sollte der erhoffte Aufschwung tatsächlich kommen, werden beide davon profitieren können.

Grund zum Ausruhen gibt es in den Führungsetagen von Siemens und Telekom deswegen allerdings nicht. Siemens hat in der Netzwerk und Mobilfunksparte die Wende eingeleitet. Der Mobilfunksparte ist immer noch der größte Umsatzträger. Doch mit einer Belebung des Geschäfts ist so schnell nicht zu rechnen. Und die Telekom muss ihrerseits den Rückgang des Geschäfts in der Festnetzsparte bremsen. Das Festnetz steht immer noch für den größten Teil von Umsatz und Ergebnis. Daneben muss die Telekom auch endlich die unrühmliche Entwicklung bei Toll Collect, dem gemeinsamen Unternehmen mit Daimler-Chrysler, in den Griff bekommen. Sie hat sich zu lange nicht um die Missstände gekümmert. Dabei hätte das Mautsystem ein Exportschlager werden können, wenn es nur funktionieren würde.

Die glänzenden Bilanzen werden aber vor allem durch eines getrübt: Siemens und die Telekom haben massiv Stellen abgebaut. Die Konzerne stehen jetzt besser da – aber mit deutlich weniger Mitarbeitern. Für den Aufschwung sind beide in einer guten Ausgangsposition. Neue Arbeitsplätze, so ist aber zu befürchten, werden so bald nicht entstehen.

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