GEW : Einheitslohn für alle Lehrer

GEW will ein neues Tarifsystem: Die Forderung ist schon 40 Jahre alt, doch in diesem Herbst soll es endlich klappen: Eine einheitliche Bezahlung für alle angestellten Lehrer.

Alfons Frese

Berlin - Und damit nicht genug: Die Einkommensverluste, die nach der Reform des öffentlichen Tarifrechts bei Junglehrern bis zu 600 Euro im Monat betragen, will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in den aktuellen Tarifverhandlungen ausgleichen. Schätzungen zufolge müssten die Länder rund eine Milliarde Euro zusätzlich an ihre angestellten Lehrkräfte zahlen, wenn die GEW ihre Vorstellungen durchsetzte. Nicht betroffen wären davon erst mal Berlin und Hessen, die der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) nicht angehören, aber sich jeweils mit Anerkennungstarifverträgen am Tarif der anderen Bundesländer orientieren.

Traditionell sind in der Bundesrepublik die meisten Lehrer verbeamtet. Doch nach der Vereinigung erhöhte sich der Anteil der angestellten Lehrer auf rund ein Drittel, weil es in den ostdeutschen Ländern deutlich weniger Beamte in der Schule gibt. Was die Bezahlung anbelangt, wurde die Minderheit, also die angestellten Lehrer, bislang so behandelt wie die Mehrheit, also die Beamten. Im Zuge der Modernisierung des öffentlichen Tarifrechts inklusive Abschaffung des BAT verpflichteten sich die Arbeitgeber, über eine neue Entgeltordnung für die Lehrer zu verhandeln. Für die GEW ist das nun die Chance erstmals die Gehälter der Lehrer tariflich zu regeln „und die jahrzehntelange Arbeitgeberwillkür“ bei der Bezahlung zu durchbrechen.

Die Arbeitgeber halten davon wenig. Die Tarifgemeinschaft der Länder verweist auf die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Beamtenbesoldungen und möchte dem nicht einen zentral vereinbarten Tarif entgegensetzen. Die GEW dagegen hofft auf die Mobilisierung ihrer Mitglieder unter dem Slogan „Eine Schule für alle Kinder, eine Ausbildung für alle Lehrkräfte und eine einheitliche Bezahlung der Lehrenden“, wie Gewerkschaftschef Ulrich Thöne am Freitag in Berlin erläuterte. Die Leitlinie, wonach für die Betreuung kleiner Kinder (Grundschule) ein kleines Gehalt und größerer Kinder ein größeres Gehalt gezahlt werde, habe sich überlebt. Auch wegen der künftig einheitlichen Lehrerausbildung im Rahmen der Bachelor- und Masterstudiengänge sei eine einheitliche Entlohnung der Pädagogen naheliegend, argumentiert die GEW.

Dabei schwebt der Gewerkschaft eine Eingruppierung in der Entgeltgruppe 14 vor: Danach würden Berufsanfänger künftig 3286 Euro bekommen. Heute fängt eine Lehrkraft in der Grundschule bei 2564 Euro an – und das sind rund 600 Euro weniger als vor der Reform des öffentlichen Tarifrechts in den Jahren 2005/06. Damals war der Verhandlungsprozess für die Arbeiter und Angestellten von Bund, Ländern und Kommunen überaus schwierig und zäh, so dass bei der Komplexität der Materie die Nachteile für die Junglehrer übersehen wurden. „Wir haben als Gewerkschaft die Verpflichtung, den Fehler zu korrigieren“, formuliert GEW-Chef Thöne nun den Anspruch an die aktuelle Tarifrunde.

Bis Ende des Jahres will die GEW ein Ergebnis, das den Lehrern mehr Geld bringt. Dabei ist die GEW selbstbewusst wie lange nicht, denn binnen Jahresfrist gewann sie als einzige DGB-Gewerkschaft Mitglieder. Ihre Zahl stieg um 6000 auf 255 000. 

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