• Gewerkschaft erhebt Forderung an Arbeitgeber: IG Metall will zwei Jahre frei für bezahlte Weiterbildung

Gewerkschaft erhebt Forderung an Arbeitgeber : IG Metall will zwei Jahre frei für bezahlte Weiterbildung

Die IG Metall will künftig bezahlte Arbeitszeitverkürzungen für bestimmte Beschäftigtengruppen durchsetzen. In der freien Zeit könnten sich beispielsweise schlecht Qualifizierte weiterbilden. Die Arbeitgeber fragen sich, wer künftig die Arbeit erledigt.

Geld ist nicht alles - in den kommenden Jahren will die IG Metall die Themen Bildung und Arbeitszeit in den Blick nehmen. Foto: dpa
Geld ist nicht alles - in den kommenden Jahren will die IG Metall die Themen Bildung und Arbeitszeit in den Blick nehmen.Foto: dpa

Zwei freie Jahre mit über 80 Prozent Lohnfortzahlung für ein Studium oder einen höheren Berufsabschluss: So könnte beispielsweise die Bildungsteilzeit aussehen, die die IG Metall in den anstehenden Tarifverhandlungen für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie durchsetzen will. Nach dem Vorbild der Altersteilzeit würden in dem Beispiel die Beschäftigten zwei Jahre in Vollzeit vorarbeiten und auch in dieser Zeit verminderte Bezüge erhalten. Auch andere zeitliche Rahmen wären denkbar.
Vor allem An- und Ungelernte benötigten bessere berufliche Entwicklungschancen, begründete der Gewerkschaftsvorstand am Dienstag in Brüssel seinen Forderungsbeschluss. „Fehlende Zeit und fehlendes Geld für berufliche Entwicklung sind die größten Hemmnisse“, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann.


Auch die bereits seit 2010 tariflich verankerte Altersteilzeit muss nach der jüngsten Reform der gesetzlichen Rente neu verhandelt werden. Man wolle die derzeitigen Regelungen verbessern, erklärte Hofmann. In einem Interview hatte Gewerkschaftschef Detlef Wetzel höhere Ausgleichszahlungen der Arbeitgeber ins Spiel gebracht. Bislang nehmen vor allem Besserverdiener die Möglichkeit der Altersteilzeit in Anspruch, während sich untere Lohngruppen mutmaßlich aus materiellen Gründen eher zurückhielten.

Arbeitgeber-Chef Rainer Dulger signalisierte, dass auch Gesamtmetall die Altersteilzeit erhalten will. Sie müsse aber gerechter gestaltet werden, um diejenigen zu stützen, die aufgrund von Belastungen vorzeitig ausscheiden müssten. Aus- und Weiterbildung sei in den Betrieben gelebter Alltag. „Mit einer bezuschussten Bildungsteilzeit würde letztendlich der Schichtarbeiter dem Ingenieur das Masterstudium bezahlen - das wäre ungerecht“, sagte er in Berlin.
Nach den Vorstellungen der IG Metall sollten Ältere weniger arbeiten und Jüngere auch weniger arbeiten. „Ich frage mich, wer die Arbeit überhaupt noch machen soll.“ Wohlstand lasse sich so nicht erhalten.
Ein knappes halbes Jahr vor Ende der Friedenspflicht in der deutschen Schlüsselindustrie zum Jahresende legte sich der IG-Metall-Vorstand noch nicht auf eine Gehaltsforderung fest. Sie soll erst Ende November beschlossen werden. Erste Verhandlungen zu den Teilzeitmodellen könnte es bereits im August geben. dpa

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