Gewerkschaft feiert 125. Geburtstag : IG-Metall fordert mehr Mitbestimmung

Zum 125. Geburtstag der IG-Metall werden Forderungen nach einer gerechteren Gesellschaft laut. Gabriel mahnt zu behutsameren Klimareformen.

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IG-Metall fordert auf dem Gewerkschaftskongress in Frankfurt mehr Mitbestimmung für Betriebsräte.
IG-Metall fordert auf dem Gewerkschaftskongress in Frankfurt mehr Mitbestimmung für Betriebsräte.Foto: dpa

Kurz vor dem 125. Geburtstag, den die IG-Metall 2016 feiert, präsentiert sich die Gewerkschaft in guter Verfassung. „Wir sind der größte politische Jugendverband in Deutschland“, sagte der IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel am Sonntag zu Beginn des Gewerkschaftskongresses in Frankfurt. Von den 2,3 Millionen Mitglieder seien 230 000 Jugendliche. „Von IG Metall-Verdrossenheit keine Spur“, sagte Wetzel.

Forderung nach gerechterer Gesellschaft

Die „größte Gewerkschaft der freien Welt gewinnt an politischem und betrieblichen Einfluss“, meinte der Gewerkschaftschef und gab dem anwesenden IG-Metall-Mitglied und Vizekanzler Sigmar Gabriel ein paar Aufträge mit: Der Missbrauch von Werkverträgen müsse vom Gesetzgeber beendet werden, unter anderem durch mehr Mitbestimmung für die Betriebsräte. Und die Gesellschaft müsse gerechter werden, um die Demokratie zu stabilisieren. Denn Politik-Verdrossenheit, so argumentierte Wetzel, entstehe dann, „wenn Reiche immer reicher werden, wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, wenn die soziale Herkunft den Bildungsweg bestimmt, wenn das Finanzsystem tiefe Krisen auslösen kann“.

Behutsamere Klimareformen in der Industrie

Der Bundeswirtschaftsminister und SPD-Vorsitzende würdigte die Leistung Wetzels, der am Dienstag von Jörg Hofmann an der IG-Metall-Spitze abgelöst wird und der unter anderem das Bündnis für Industrie mitinitiiert hatte. „In diesem Land findet die Industrialisierung der Welt umweltfreundlicher statt als in anderen Ländern“, bekannte sich Gabriel zur Industrie. Man brauche mehr Klimaschutz und dazu mehr Regulierung, aber man dürfe, etwa beim CO2-Emissionshandel, es nicht übertreiben und die Industrie in andere Länder vertreiben. „Verlieren wir die Grundstoffindustrie, dann verlieren wir ganze Werkschöpfungsketten“, sagte Gabriel. Im Umgang mit VW mahnte der Minister, man dürfe „einige Dinge nicht mit dem Bade ausschütten“. Die 600 000 VW-Beschäftigten in aller Welt dürften nicht die Leidtragenden des Skandals werden, und es sei falsch, jetzt die Dieseltechnologie in Frage zu stellen.

Gabriel warnt vor AfD

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise appellierte der Vizekanzler an die Gewerkschaften, sich für den Zusammenhalt in der Gesellschaft einzusetzen. Das Land stehen vor zwei Integrationsaufgaben: Diejenigen, die kommen, seien zu integrieren, aber auch diejenigen, die schon da sind. „Für die habt ihr alle, für uns habt ihr nix“, dieser Satz dürfe nicht Realität werden, sonst treibe man „die Menschen zu den Rattenfängern, das erleben wir gerade“, sagte Gabriel und nannte konkret die AfD.

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