Gewerkschaft : IG-Metall-Chef fordert mehr soziale Gerechtigkeit

Das Treffen der größten deutschen Gewerkschaft steht in diesem Jahr unter dem Motto "Zukunft braucht Gerechtigkeit". Der scheidende IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters forderte die Gewerkschaft auf, alle demokratischen Parteien für ihre Ziele zu gewinnen.

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Gewerkschaftstag der IG Metall: 500 Delegierte diskutieren über aktuelle Themen der Arbeitsmarktpolitik. -Foto: dpa

LeipzigDie aktuelle Diskussion um die Verlängerung des Arbeitslosengeldes I, einen flexiblen Altersausstieg und die Einführung von Mindestlöhnen sei ein Erfolg der Mobilisierung der IG Metall, sagte Peters. "Ohne unser Engagement wäre da nichts passiert." Die IG Metall sei nach ihrer schweren Krise im Jahr 2003 wieder zu einer starken gesellschaftlichen Kraft geworden.

Angesichts der veränderten Parteienlandschaft forderte Peters dazu auf, den Dialog mit allen Parteien in Regierung und Opposition zu suchen. "Es gibt keinen Grund, die einstige privilegierte Partnerschaft zur SPD auf eine andere Partei zu übertragen", sagte er. Ebenso gebe es keinen Grund, "ausgerechnet Die Linke unter politische Quarantäne zu stellen". Die IG Metall sei unabhängig von allen Parteien, aber keineswegs politisch neutral. Sie werde alle Parteien und Regierungen daran messen, ob sie die Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung verträten oder "Lobbyorganisationen von Spitzenverdienern, Vermögensbesitzern oder Großkonzernen" seien.

Huber: Bedingungen für Leiharbeiter "beschämend"

Der Zweite Vorsitzende Berthold Huber, der am Dienstag zum neuen Gewerkschaftschef gewählt werden soll, mahnte bessere Arbeitsbedingungen für Leiharbeitnehmer an. Ihre Arbeitsbedingungen seien "in der Regel beschämend und diskriminierend". Die Politik müsse das Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz und das Entsendegesetz verändern, um Leiharbeit zu begrenzen. Die IG Metall müsse sich stärker in den Entleiherbetrieben engagieren. "Wir müssen uns dagegen wehren, wenn tariflich gesicherte Normalarbeitsverhältnisse systematisch verdrängt werden", sagte der IG-Metall-Vize.

Als Schwerpunkte der Tarifrunde 2008 in vielen Branchen nannte Huber neben guten Entgelten den Altersausstieg und den Erhalt des Flächentarifs. Vor allem im Kfz-Handwerk gehe es "um alles oder nichts". Die Branche mit 470.000 Beschäftigten dürfe kein tariffreier Raum werden. "Wenn die Arbeitgeber ihre Politik nicht aufgeben, werden wir eine Tarifauseinandersetzung führen, die sich gewaschen hat", warnte Huber. Die klare Orientierung an Mitgliederinteressen zahle sich aus. Nach 15 Jahren anhaltender Mitgliederverluste sei die IG Metall auf dem Weg, zum Jahresende die "schwarze Null" zu erreichen, sagte Huber. Mit rund 2,3 Millionen Beitragszahlern ist sie die größte deutsche Gewerkschaft.

Der Kongress, der bis Samstag dauert, steht unter dem Motto "Zukunft braucht Gerechtigkeit". 501 Delegierte werden über die Ziele und Aufgaben der IG Metall in den kommenden vier Jahren diskutieren und mehr als 500 Anträge beraten. Am Dienstag wird ein neuer Vorstand gewählt. Peters wird nicht mehr kandidieren. Sein Nachfolger soll der bisherige IG-Metall-Vize Huber werden. An dessen Stelle soll der bisherige IG-Metall-Bezirksleiter von Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel, rücken. (mit dpa)

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