Gewerkschaft verärgert : Bahn beginnt Lohnrunde mit "Nicht-Angebot"

Zu Beginn der Tarifverhandlungen für rund 150.000 Bahn-Beschäftigte liegen die Vorstellungen der Verhandlungspartner weit auseinander. Die drei Gewerkschaften fordern bis zu zehn Prozent mehr Geld. Ein erstes Angebot der Bahn ist für sie ein "Scherz".

BerlinDie Gewerkschaften haben ein erstes Tarifangebot der Deutschen Bahn als unzureichend zurückgewiesen. "Ein Prozent Lohnerhöhung sind nicht akzeptabel", sagte der Vorsitzende der größten Bahngewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, vor Beginn der Verhandlungen am Mittwoch in Berlin.

Dem Vernehmen nach enthält das Arbeitgeberangebot für die Jahre 2009 und 2010 einen Inflationsausgleich für die rund 150.000 tarifgebundenen Beschäftigten des Konzerns. Für dieses Jahr geht die Bahn von einem Prozent Teuerung aus. Innerhalb der vorgeschlagenen Vertragslaufzeit von zwei Jahren sollen Sonderzahlungen von 200 Euro pro Halbjahr hinzukommen plus eine einmalige Vergütung im Jahr 2010 - ebenfalls 200 Euro. Dieses Geld soll aber nur bei einem stabilen Geschäftsergebnis ausgezahlt werden.

Vorerst keine Streiks geplant

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA fordern zehn Prozent mehr Geld. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) verlangt für ihre Kollegen 6,5 Prozent höhere Einkommen. Vorläufig müssen sich die Bahnkunden aber wohl nicht auf einen Streik einstellen. GDL-Chef Claus Weselsky sagte, man befinde sich noch in einer frühen Phase der Gespräche. Ob es Streiks geben werde, hänge vom Verhandlungsverlauf ab. "Alle Welt weiß, wozu die Lokführer fähig sind", sagte Weselsky und spielte damit auf die vergangene Tarifrunde mit mehreren Streiktagen an.

Kirchner hatte Warnstreiks und Protestaktionen noch im Januar als möglich bezeichnet. Er wies in der "Süddeutschen Zeitung" darauf hin, dass der Tarifvertrag für die Arbeitszeitregelungen bereits Ende Dezember ausgelaufen sei. Insofern gelte für diesen Tarifbereich keine Friedenspflicht mehr. Der Entgelt-Tarifvertrag läuft noch bis Ende Januar.

GDL will nicht kooperieren

Die Gespräche am Mittwoch begannen zweigeteilt: Die Bahn sprach zunächst mit Transnet und GDBA. Ein Treffen mit der GDL soll folgen. Die drei Gewerkschaften haben sich bislang nicht auf eine Zusammenarbeit verständigt. GDL-Chef Claus Weselsky sagte: "Ich sehe die Notwendigkeit einer Abstimmung mit anderen Gewerkschaften momentan nicht." Die GDL ist in der Tarifrunde für rund 20.000 Lokführer zuständig, die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA für die übrigen 130.000 Mitarbeiter.

Alle drei Gewerkschaftsvorsitzenden forderten von der Bahn ein besseres Angebot. GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel sprach von einem "Nicht-Angebot" und einer "Provokation". Weselsky sagte: "Das Angebot ist ein Scherz." In dem Tarifangebot erklärt sich der Konzern bereit, über die geforderten Änderungen der Schichtpläne für die Eisenbahner zu verhandeln. Neue Regeln bei der Arbeitszeit wollen die drei Gewerkschaften zu einem Schwerpunkt der Tarifrunde machen. (sf/dpa)

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