Gewerkschaften : Die IG Metall sucht eine Führung

Jürgen Peters und Berthold Huber ringen um die Zusammensetzung des Vorstands der IG Metall. Während Huber Detlev Wetzel als seinen Nachfolger favorisiert, ist Peters dagegen.

Alfons Frese

Berlin - An der Spitze der IG Metall gibt es ein ähnliches Ringen um die künftige Führung wie vor vier Jahren. Der erste Vorsitzende, Jürgen Peters, pokert mit dem zweiten Vorsitzenden, Berthold Huber, über die Zusammensetzung des siebenköpfigen Vorstands. Vor vier Jahren hatte der damalige Metallerchef Klaus Zwickel nach dem verlorenen Arbeitskampf in Ostdeutschland versucht, Peters als seinen Nachfolger zu verhindern. Nach einer wochenlangen Führungskrise, inklusive Rücktritt Zwickels, hatten sich Peters und Huber dann darauf verständigt, dass Peters Chef wird und nach der vierjährigen Amtszeit Berthold Huber als seinen Nachfolger vorschlägt; der 63-jährige Peters geht in den Ruhestand.

An der Wahl Hubers (57) gibt es keinen Zweifel. Doch wer wird zweiter Vorsitzender – und damit erster Kandidat für die Nachfolge Hubers in einigen Jahren? Favorit ist der IG-Metall-Chef von Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel (53). Wetzel wird wie Huber dem Lager der Pragmatiker und politisch Moderaten zugerechnet, Peters dagegen eher dem linken Flügel. Um Wetzel zu verhindern, hat Peters seinem Nachfolger Huber ein paar Namen zur Auswahl gegeben für den Posten des zweiten Vorsitzenden. Darunter sind die Peters-Vertrauten und Gewerkschaftschefs von Niedersachsen, Hartmut Meine, und des Bezirks Frankfurt, Armin Schild. Doch Huber beharrt auf Wetzel und vertraut dabei auf Mehrheiten im Vorstand und schließlich auf dem Gewerkschaftstag, der Anfang November die neue Führung wählt.

Die Nominierung der Kandidaten für den siebenköpfigen geschäftsführenden Vorstand erfolgt am nächsten Montag durch den Gesamtvorstand. Der wird gebildet durch die geschäftsführenden sowie die 29 ehrenamtlichen Mitglieder. Und Huber hat durchgezählt: Von den sieben Hauptamtlichen sind fünf, er selbst mitgerechnet, auf seiner Seite. Bei den Ehrenamtlichen gib es ein Patt, so dass unterm Strich eine Mehrheit für Huber und seinen Kandidaten Wetzel stehen müsste. Aber das dachte Klaus Zwickel auch, als er im April 2003 Huber als neuen Vorsitzenden nominieren lassen wollte. Dann stand es 20:20 und Zwickel musste Peters, den damaligen zweiten Vorsitzenden, als neuen Vorsitzenden vorschlagen. Später versuchte er dann, die Niederlage im Osten Peters anzuhängen, um ihn als IG-Metall-Chef zu verhindern. Es folgte ein schmutziges Sommertheater um die Führung der IG Metall.

Doch in den letzten vier Jahren hat sie sich erholt. Peters und Huber, die beide nicht viel miteinander anzufangen wussten, haben die Großorganisation mit ihren rund 2,3 Millionen Mitgliedern und tausenden haupt- und ehrenamtlichen Funktionären erstaunlich gut zusammengehalten. Die Tarifabschlüsse waren ordentlich, der Mitgliederschwund ist gestoppt. Zum Ende der Amtszeit Peters’ geht es nun darum, ihm einen guten Abgang zu verschaffen. Und Huber einen guten Start für die kommenden vier Jahre.

Das wird schwierig. Wenn sich das sogenannte linke Lager überhaupt nicht mit Wetzel anfreunden kann, droht Krawall. Denn Huber kann auf die Mehrheiten aus den großen Bezirken bauen: NRW, Baden-Württemberg und Bayern sind für das Tandem Huber/Wetzel. Falls Huber Wetzel bekommt, wird er in jedem Fall Leute aus dem Peters-Lager im geschäftsführenden Vorstand akzeptieren müssen. Gesetzt ist Hans-Jürgen Urban, linker Sozialwissenschaftler und bislang in der Frankfurter Zentrale für Gesellschaftspolitik und Grundsatzfragen zuständig. Doch Peters will mindestens noch einen weiteren Linken als Preis für Wetzel. Er dachte dabei an Heidi Scharf, IG-Metall-Chefin in Schwäbisch Hall und Mitglied der Linkspartei, in der sich inzwischen eine ganze Menge Metaller engagieren. Wegen des Widerstands im eigenen Landesverband Baden-Württemberg kommt Scharf aber nicht wirklich in Betracht. Sollte Peters aber keinen weiteren Kandidaten haben, den auch Huber akzeptiert, geht er als Verlierer des aktuellen Personalschachers hervor. Und schiebt dann womöglich doch noch jemanden vor, der gegen Wetzel um Platz zwei kandidiert. Dann aber stünde die IG Metall vor einer vertrauten Aufführung: Sommertheater 2003, Teil II.

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