GEWERKSCHAFTEN : Für acht Millionen und mehr

DER DGB

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine acht Mitgliedsorganisationen dominieren immer noch die Arbeitnehmerszene hierzulande. Von den rund acht Millionen Gewerkschaftsmitgliedern – nahezu jedem fünften Beschäftigten – gehören etwa drei Viertel einer DGB-Gewerkschaft an. Die drei

Industriegewerkschaften
(Metall, Bergbau, Chemie, Energie, sowie Bauen, Agrar, Umwelt) machen zusammen mit Verdi rund 85 Prozent des DGB aus. Kleinere Gewerkschaften sind die für Nahrung, Genuss und Gaststätten, für Eisenbahner, Erziehung und Wissenschaft sowie die Polizeigewerkschaft. Zuletzt kamen die DGB-Gewerkschaften auf 6,15 Millionen Mitglieder, vor 20 Jahre waren es noch mehr als elf Millionen. Ein Grund für den Mitgliederschwund ist auch die zunehmende Konkurrenz in der deutschen Gewerkschaftslandschaft.

BEAMTENBUND

So konkurrieren Verdi, GEW und GdP im Bereich des öffentlichen Dienstes direkt mit den Gewerkschaften des Deutschen Beamtenbundes (DBB) und der dazugehörigen Tarifunion. Der zweitgrößte deutsche Dachverband vereint über 1,2 Millionen Arbeitnehmer in 44 Fachgewerkschaften und Berufsverbänden. Darunter sind Organisationen wie die Deutsche Polizeigewerkschaft oder die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, die in den vergangenen Jahren mit Arbeitskämpfen auffiel. Zum Beamtenbund gehören ferner Spezialgewerkschaften wie der Philologenverband und der Gerichtsvollzieherbund.

CHRISTENGEWERKSCHAFTEN

Eine weitere Dachorganisation in Konkurrenz ist der Christliche Gewerkschaftsbund (CGB). Die 14 relativ kleinen CGB-Organisationen sind in keiner Branche wirklich streikfähig. Ihre Attraktivität für die Unternehmen gewinnen sie vor allem dadurch, dass sie vom DGB ausgehandelten Lohn- und Arbeitsbedingungen unterbieten. Dies funktioniert allerdings nur dort, wo die DGB-Gewerkschaften selbst zu schwach verankert sind, etwa in einzelnen Handwerksbranchen. Der DGB bekämpft den CGB als eine Organisation, die Tariflohndumping betreibt. In mehreren Fällen ist es den DGB-Gewerkschaften bereits gelungen, CGB-Organisationen gerichtlich die Tariffähigkeit abzusprechen.

SPARTENORGANISATIONEN

Es existieren auch Gewerkschaften, die keinem Dachverband angehören. Bekannteste Beispiele sind die Pilotenvereinigung Cockpit oder der Marburger Bund, der die Interessen angestellter und verbeamteter Ärzte vertritt. Lange Zeit traten sie nicht als eigenständige Tarifparteien auf, weil sie sich von DGB-Gewerkschaften vertreten ließen. Das hat sich geändert, weil sich die Organisationen mehr davon versprechen, wenn sie selbst Tarifkonflikte durchfechten. So kündigte der Marburger Bund 2005 die Tarifpartnerschaft mit Verdi und verhandelt seitdem selbstständig über die Gehälter von Ärzten in Krankenhäusern. Aufgrund ihrer Schlüsselposition und ihres hohen Organisationsgrades können solche Splitter-Gewerkschaften erfolgreich Arbeitskämpfe führen. Ein Versuch von Arbeitgebern und DGB, ihnen mit Hilfe des Gesetzgebers Grenzen zu setzen, schlug fehl und soll aber in der nächsten Legislaturperiode wiederholt werden. bju

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