Wirtschaft : Gewerkschaften fürchten Bankenfusionen

Geteiltes Echo auf Schröders Vorstoß – Schiere Unternehmensgröße allein zählt nicht

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Der Vorstoß von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die deutschen Großbanken dringend zu Fusionen aufgefordert hat, ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Schröder will ein zumindest in Europa ernst zu nehmendes Institut. Rückendeckung erhält der Bundeskanzler vom Bankenexperten Professor Wolfgang Gerke. Sein Berliner Kollege HansPeter Swintowski hingehen widerspricht und auch Uwe Foullang, Bankenreferent bei Verdi, sieht das Vorhaben kritisch.

Gerke befürwortet laut eigener Aussage die Stoßrichtung Schröders schon lange. „Wir brauchen dringend eine große, auch international wettbewerbsfähige Bank“, sagte Gerke dem Tagesspiegel. Deutsche oder auch europäische Managemententscheidungen fielen einfach anders aus, als US-amerikanische. Gerke kann sich sogar ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Allianz vorstellen.

Hans-Peter Swintowski hingegen erkennt keinen Grund für Fusionen und warnt: „Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Größenvorteile bei Banken nicht unbedingt gelten müssen. Deshalb gibt es ja auch noch kleine und feine Banken, die gutes Geld verdienen.“ Und was sei daran so schlimm, wenn deutsche Unternehmen etwa bei Großinvestitionen in China oder Südostasien auf amerikanische oder japanische Banken zurückgreifen müssten.

Auch Verdi-Mann Uwe Foullang, sagt: „Synergieeffekte sind möglich, doch je komplexer ein Unternehmen ist, desto höher sind auch die Kosten.“ Es sei keineswegs bewiesen, dass sich eine Großfusion unter den deutschen Banken auch rechnen werde. Es gebe Studien, die belegten, dass rund 80 Prozent aller in Europa erfolgten Fusionen aus Kostengründen gescheitert seien.

Schwarz sieht Foullang auch für die Arbeitnehmer. Es sei zu erwarten, dass massiv Arbeitsplätze abgebaut und Filialen geschlossen würden. Darunter hätten nicht zuletzt auch die Kunden zu leiden. Foullang verweist auf Großbritannien. Dort sei nach einer Reihe von Bankenfusionen die Filialdichte nur noch sehr gering. Deshalb hätten bereits zehn Prozent der Bevölkerung kein Girokonto mehr. Für Wolfgang Gerke hingegen ist der deutsche Privatkunde bestens versorgt. Von Großbritannien sei man in Deutschland doch wirklich noch weit entfernt. dr

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