Gewerkschaften : IG Metall: Die Krise wird noch viel schlimmer

Die IG Metall prophezeiht eine lange Durststrecke für Arbeitnehmer. Die Gewerkschaft hält mit einer Kampagne dagegen.

Alfons Frese

BerlinBerlin - Die IG Metall stellt sich auf düstere Zeiten ein. „Wir werden verdammt viele betriebliche Auseinandersetzungen haben“, befürchtet Gewerkschaftschef Berthold Huber. Gemeint sind Auseinandersetzungen über Entlassungen, Fabrikschließungen, Verlagerungen. Denn die IG Metall geht nicht davon aus, dass im Sommer der Tiefpunkt der Krise erreicht ist. „Ich glaube das nicht“, sagte Huber am Donnerstagabend in Berlin. Gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, stellte Huber eine Kampagne vor, mit der zum einen die Krise bewältigt und zum anderen über die Krise hinaus für ein anderes Wirtschaften geworben wird: „Gemeinsam für ein besseres Leben“, lautet das Motto der Aktion, die sich Deutschlands größte Gewerkschaft „einige Millionen“ (Huber) kosten lässt.

Den IG-Metall-Chef treibt die Befürchtung um, dass es nach der Krise so weitergeht wie vor der Krise, vielleicht abgesehen von ein paar zusätzlichen Regulierungen auf den Finanzmärkten. „Wer den Schaden angerichtet hat, der hat schon wieder Deutungsmacht in der Gesellschaft“, ärgert sich Wetzel über die „Vertreter eines neoliberalen Politikmodells“. Dabei sei die Krise das Ergebnis einer Politik gegen die Interessen der Menschen. „Was zählte, waren die Interessen der Unternehmen und die Gier nach schnellem Profit“, meinen die Metaller. In der Konsequenz sei die Gesellschaft gespalten, ein riesiger Billiglohnsektor entstanden, „die Sozialsysteme sind zerstört und viele, vor allem auch junge Menschen, sind ohne Lebensperspektive“. Die IG Metall hält Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit, Würde, Anerkennung und Respekt dagegen. Und kurzfristig einen „Schutzschirm für Arbeitsplätze“, ansonsten drohten Massenentlassungen.

„Wir brauchen für den Übergang staatliche Beteiligungen“, sagt Wetzel, „sonst gehen viele den Bach runter.“ Gemeint sind nicht Banken, sondern Unternehmen aus der sogenannten Realwirtschaft wie Opel und Schaeffler. „Vielleicht muss man zwei bis drei Jahre überbrücken“, meinte Huber zu Opel. Die vom Unternehmen beantragte Bürgschaft über 3,3 Milliarden Euro werde vermutlich nicht reichen. Bis ein Investor gefunden sei, müsse halt der Staat bei Opel einsteigen. Überhaupt gehe es in der Krise darum, den Strukturwandel sozialverträglich zu gestalten. So wie in der westdeutschen Eisen- und Stahlindustrie, die vor allem in den 70er und 80er Jahren rund 400 000 Arbeitsplätze abgebaut habe, und zwar ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Zum Auftakt der neuen Kampagne „Gutes Leben“ will die IG Metall einige hunderttausend Menschen befragen: „Was denken die Menschen, wenn es darum geht, ein sicheres und gutes Leben zu führen?“ Die Antworten sollen im Sommer der Politik präsentiert werden und dann auch eine Rolle spielen im Wahlkampf. Für jeden Teilnehmer an der Befragung zahlt die IG Metall einen Euro für soziale Projekte. Ferner schickt die Gewerkschaft einen „Gutes-Leben-Truck“ durchs Land und veranstaltet in Berlin Kongresse zur Zukunft der Jugend sowie zur Generationengerechtigkeit. Als Höhepunkt der Kampagne sollen am 5. September im Stadion in Frankfurt am Main 50 000 Menschen Forderungen an die Politik artikulieren. Alfons Frese

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