Gewerkschaften : Mehr Metaller

Die Mitgliederzahl der IG Metall steigt 2008 voraussichtlich wieder - zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Alfons Frese
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IG-Metall-Chef Huber (r.) und der zweite Vorsitzende Wetzel. -Foto: pa/dpa

Frankfurt am MainDie IG Metall hat die Trendwende bei der Mitgliederzahl geschafft. Zwar gab es im ersten Quartal unter dem Strich noch einen Verlust von 265 Beitragszahlern. Für das Gesamtjahr aber erwartet die Führung der größten deutschen Gewerkschaft eine schwarze Null. Damit würde die Metallergewerkschaft das erste Mal seit zehn Jahren wieder mehr Mitglieder gewinnen als verlieren. Das macht sich auch in der Kasse bemerkbar: Die IG Metall rechnet mit 429 Millionen Euro Einnahmen nach gut 426 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Gewerkschaftschef Berthold Huber kündigte am Dienstagabend in Frankfurt ein weiteres Werben um Mitglieder „auf Hauen und Stechen“ an. In der Vergangenheit sei „der Vorstand möglicherweise der Auffassung gewesen, dass er mit Mitgliedern nichts zu tun hat“, gab sich Huber selbstkritisch. Er selbst war seit 2003 zweiter Vorsitzender der IG Metall; im November 2007 wurde Huber als Nachfolger von Jürgen Peters an die Spitze der 2,3 Millionen Metaller gewählt. Viel stärker als bislang werde sich die IG Metall auf die Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplätzen konzentrieren. „Die Zukunft der IG Metall entscheidet sich in den Betrieben und nicht auf der Straße“, sagte Huber, der am Mittwoch eine Kampagne unter dem Titel „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ gegen den Missbrauch von Zeitarbeit vorstellte.

Nach dem verlorenen Arbeitskampf um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland und der anschließenden Führungskrise hatte die IG Metall vor allem 2003 und 2004 hunderttausende Mitglieder verloren. Inzwischen wirken sich der Aufschwung und die damit einhergehenden zusätzlichen Stellen positiv aus. Ferner profitiert die Gewerkschaft von erfolgreichen Tarifrunden, aber auch von Konflikten, wie etwa bei Airbus. Im ersten Quartal gab es 28 755 Neuaufnahmen, das waren rund 27 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig traten 29 020 Metaller aus – damit lag der Schwund immerhin um neun Prozent unter dem Vorjahr. Was die Gewerkschaftsspitze besonders freut: Anders als bei Rentnern und Arbeitslosen ist bei den arbeitenden Mitgliedern, die mehr als 90 Prozent der Beiträge zahlen, der Saldo aus Ein- und Austritten schon positiv.

Mit der am Mittwoch gestarteten Leiharbeitskampagne will die IG Metall in diesem Jahr 10 000 Mitglieder in der Zeitarbeitsbranche werben. Huber und Detlef Wetzel, der zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, beklagten Lohndumping und Verdrängung von Stammbeschäftigten durch die Zeitarbeitnehmer. Dass sich in Deutschland inzwischen 45 Prozent der Bevölkerung Sorgen um die Zukunft machen, hängt für die IG-Metall-Spitze auch mit der Zeitarbeit zusammen, durch die sich ein Niedriglohnsektor etabliert habe. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall dagegen lobte die „neue Flexibilität am Arbeitsmarkt“.

IG-Metall-Vize Wetzel dagegen zitierte aus der allgemeinen Menschenrechtserklärung, in der „das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ festgeschrieben ist. Es sei beschämend für Deutschland, dass eine Kampagne für die Einhaltung eines Menschenrechts geführt werden müsse. Es gebe hierzulande bald eine Million Zeitarbeitnehmer. Im Schnitt verdienten sie ein Drittel weniger als Stammkräfte und bekämen weniger Urlaub sowie weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Das Ziel der IG Metall sei, in diesem Jahr die Zahl der Equal-Pay-Vereinbarungen auf 400 zu verdoppeln. Diese Betriebsvereinbarungen regeln die gleiche Bezahlung bei der Belegschaft.

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