Wirtschaft : Gewerkschaften sehen ein Drittel der 80 000 Arbeitsplätze in Gefahr

dr

Das geplante Zusammengehen von Deutscher Bank und Dresdner Bank hat die Gewerkschaften aufgeschreckt. Arbeitnehmervertreter sprachen am Dienstag von "Heulen und Zähneklappern", dass es in den Filialen der beiden Institute und in der gesamten Branche geben werde. Jeder dritte Arbeitsplatz steht nach ihrer Einschätzung auf dem Spiel.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet im Zuge der Megafusion, dass die Arbeitnehmer die "ersten Opfer des Größenrausches" werden. Allein durch eine Zusammenlegung von Filialen dürften mehrere tausende Arbeitsplätze verloren gehen, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer am Dienstag in Berlin. Hier deute sich eine Machtzusammenballung an, über die man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne.

Putzhammer wies darauf hin, dass beide Banken zusammen in ihren Beteiligungen stille Reserven von insgesamt 60 Milliarden Mark besäßen. Die Bundesregierung sollte sich allein schon auf Grund dieser Megafusion überlegen, ob sie die geplante Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne in Kraft setzen wolle. Allein bei Deutscher und Dresdner Bank gingen bei steuerfreiem Erlös dieser stillen Reserven dem Staat 20 bis 25 Milliarden Mark Steuereinnahmen verloren. Diese Steuerfreiheit dürfe nicht zum "Schmiermittel für Großfusionen und Arbeitsplatzverlust" werden.

Auch die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) fürchtet den Abbau von rund einem Drittel der derzeit mehr als 80 000 Arbeitsplätze bei Dresdner und Deutsche Bank in Deutschland. Außerdem sei damit zu rechnen, dass die anderen Kreditinstitute mit ähnlichen Schritten nachzögen, hieß es bei der HBV. Schon lange warnen die Gewerkschafter, dass mittelfristig auf Grund der tiefgreifenden Umwälzungen im Banken-Sektor über 200 000 der rund 700 000 Banken-Arbeitsplätze in Deutschland bedroht seien.

Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) erklärte, eine Fusion dürfe "nicht auf dem Rücken der Beschäftigten vollzogen werden". Die DAG habe große Sorge, dass die Schließung von Filialen und die Zusammenlegung von Abteilungen in den Zentralen drohe. "Wir fordern schnelle und umfassende Aufklärung", sagte DAG-Bundesvorstandsmitglied Gerhard Renner, Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

In Londoner Bankkreisen wurde geschätzt, dass Deutsche und Dresdner rund drei Milliarden Euro einsparen können, wenn die Fusion agressiv angegangen werde. Rund 30 Prozent dieser Summe könnten aus dem Privatkundengeschäft kommen. Weitere 70 Prozent ließen sich in anderen Bereichen einsparen, hieß es.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben