Wirtschaft : Gewerkschaften verlieren jedes dritte Mitglied

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Berlin (alf). Die Gewerkschaften verlieren weiter Mitglieder. Nach jüngsten Angaben des DGB zählten die acht im DGB zusammengeschlossenen Organisationen Ende 2001 7,899 Millionen Mitglieder. Das waren rund 270 000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der organisierten Arbeitnehmer sank damit im zehnten Jahr in Folge. Dem DGB zufolge verloren alle Einzelgewerkschaften.

Vor allem die neue Dienstleistungsgewerkschaft Verdi musste Verluste hinnehmen. Ihre Mitgliederzahl sank um fast 132 000 auf 2,806 Millionen. Die zweitgrößte Gewerkschaft, die IG Metall verbuchte ein Minus von rund 53 000 und zählt nun noch 2,710 Millionen Mitglieder. Drittgrößte Gewerkschaft ist die IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), deren Mitgliederzahl um 29 000 auf rund 862 000 schrumpfte.  Insgesamt haben die deutschen Gewerkschaften seit dem Mitgliederschub durch die Vereinigung rund jedes dritte Mitglied verloren. 1991 zahlten noch 11,8 Millionen Arbeitnehmer Gewerkschaftsbeiträge, heute sind es fast vier Millionen weniger.

Unterdessen zog der ausscheidende DGB-Vorsitzende Dieter Schulte am Mittwoch eine zwiespältige Bilanz seiner achtjährigen Amtszeit. Die ersten vier Jahre habe der DGB bei der Regierung Kohl kaum Einfluss gehabt, unter Rot-Grün sei dies besser geworden. „Eines nehme ich für mich in Anspruch: Ich habe dazu beigetragen, dass die Stimme des DGB in der politischen Auseinandersetzung gehört wird“, sagte Schulte. Der 62-jährige tritt beim DGB-Kongress vom 27. bis 31. Mai in Berlin nicht wieder an. Als sein Nachfolger kandidiert der 50-jährige Michael Sommer aus dem Verdi-Vorstand.

Schulte zufolge finden die Gewerkschaften ihre Forderungen alles in allem im SPD–Wahlprogramm wieder. CSU und CDU böten dagegen „alte Konzepte, alte Köpfe“. Die Gewerkschaften würden die breite Wahlkampagne von 1998 für einen Politikwechsel nicht neu auflegen, sagte Schulte. Damals hatte der DGB rund acht Millionen Mark investiert. Scharfe Kritik übte Schulte am Wahlversprechen des Unions-Kanzlerkandidaten Stoiber (CSU), Sozialabgaben, Spitzensteuersatz und Staatsquote auf unter 40 Prozent zu senken. „Dem Kanzlerkandidaten kann ich nur empfehlen: Kehren Sie als erstes und zwar sehr schnell zu den Grundsätzen der Mathematik zurück.“ Angesichts der drohenden Steuerausfälle bekräftigte Schulte die Forderung, die Einnahmen zu erhöhen. Dabei nannte er die Vermögens-, Erbschafts- und Börsensteuer und das Schließen von Steuerschlupflöchern.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Arbeitskampf in der südwestdeutschen Metallindustrie jetzt offiziell beendet ist. Die IG Metall in Baden-Württemberg teilte am Mittwochabend mit, dass die Metaller in einer Urabstimmung den Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie mit 56,53 Prozent angenommen haben.

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