Wirtschaft : Gewerkschaftsstreit zum Tarifabschluß

DÜSSELDORF (huh/HB). Der überraschende Tarifabschluß im Berliner Einzelhandel hat zu heftigen Konflikten zwischen den beteiligten Gewerkschaften geführt. Während die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) das Ergebnis als Eckdatum für andere Tarifgebiete lobte, lehnte der Vorstand der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) die Vereinbarung als unannehmbar ab. Die HBV-Spitze forderte die Berliner Tarifkommission auf, den Vertrag nicht zu akzeptieren. Für die Arbeitgeber begrüßte der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) den Abschluß.

Die DAG ist der Ansicht, daß eine Ablehnung des Verhandlungsergebnisses nicht möglich ist, weil auch die HBV rechtsverbindlich unterschrieben hat. "Da gibt es nichts mehr zu rütteln", sagte DAG-Vorstandmitglied Holger Grape dem Handelsblatt, denn es sei keine Erklärungsfrist vereinbart. Auch der Berliner Landesbezirk der HBV verteidigte den Abschluß gegen Kritik aus den eigenen Reihen. Das Ergebnis passe in die tarifpolitische Landschaft, sein Volumen könne bundesweit als Orientierung gelten, sagte HBV-Verhandlungsführer Manfred Birkhan.

Am Dienstag abend hatten sich DAG und HBV mit dem Gesamtverband des Berliner Einzelhandels bereits in der ersten Runde auf einen neuen Tarifvertrag für die 78000 Beschäftigten in Berlin verständigt. Danach steigen die Löhne und Gehälter ab 1. August um 3,0 Prozent, für den Monat Juli wurde eine Einmalzahlung von 40 DM vereinbart. Zudem hat Berlin als letzter Tarifbezirk die Altersteilzeit vereinbart. Die Laufzeit des Vertrags beträgt 12 Monate, die effektive Lohnerhöhung wegen der Einmalzahlung 2,85 Prozent.

Der Streit zwischen DAG und HBV entzündet sich an den strukturellen Elementen des Abschlusses. Die bisher unterste Lohngruppe im Einzelhandel mit zwei Stufen wird in zwei eigenständige Lohngruppen getrennt.

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