Wirtschaft : Gewinn der Hypo-Vereinsbank bricht ein

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Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB) ist trotz eines Gewinneinbruchs im vergangenen Jahr nach einem überraschend positiven Schlussquartal noch mit einem blauen Auge davon gekommen. "Der abrupte Einbruch der Aktienmärkte, der drastische Konjunkturrückgang und die Integration der Bank Austria haben uns vor sehr große Herausforderungen gestellt", sagte HVB-Chef Albrecht Schmidt am Mittwoch bei der Vorlage der vorläufigen Bilanzzahlen für das Jahr 2001. Unter diesen Lasten ist der Vorsteuergewinn um fast ein Drittel auf 1,55 Milliarden Euro geschrumpft. Im vierten Quartal 2001 habe das operative Geschäft aber wieder an Fahrt gewonnen. Mit 456 Millionen Euro sei dabei das zweitbeste Quartalsergebnis im Gesamtjahr herausgesprungen.

Die HVB sei im Vergleich zur Konkurrenz noch glimpflich davon gekommen, urteilte ein Branchenexperte. Wie alle Banken litten die Bayern unter dem Verfall der Börsen und vermehrten Unternehmenspleiten. Deshalb hat die HVB ihre Risikovorsorge 2001 um knapp ein Fünftel auf über zwei Milliarden Euro gesteigert. Hinzu kommen wacklige Kredite für Argentinien und die Pleite des US-Konzerns Enron. Zudem ist bei der zweitgrößten Privatbank Deutschlands die vor Liquiditätsengässen stehende Münchner Kirch-Gruppe mit knapp einer halben Milliarde Euro verschuldet. Ob diese Summe in der vorjährigen Risikovorsorge enthalten ist, sagt die HVB nicht. Rund die Hälfte des Kredits ist angeblich mit Filmrechten aus den Kirch-Archiven besichert. Auch zu ihrem Angebot, Kirchs Anteile am Springer-Verlag für gut eine Milliarde Euro zu übernehmen, um die Finanznöte der Kirch-Gruppe zu lindern, wird geschwiegen.

Eine Belastung war im vergangenen Jahr auch der um gut zwölf Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro gesunkene Provisionsüberschuss, was das allgemein schwache Wertpapiergeschäft widerspiegelt. Rückläufig war zudem das Handelsergebnis, das um 8,5 Prozent auf 592 Millionen Euro abnahm. Unter dem Strich ergab das 2001 im HVB-Konzern einen um gut 38 Prozent auf noch 967 Millionen Euro eingebrochenen Jahresüberschuss. Dennoch soll die Dividende bei 85 Cent gehalten werden. Per saldo haben die Münchner ihr für das Vorjahr ursprünglich angepeiltes Renditeziel bei weitem verfehlt. Statt geplanter zehn bis zwölf Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern hat 2001 nur magere 6,5 Prozent gebracht. Dennoch will Schmidt an dem Plan, bis 2004 diese Quote auf 15 Prozent zu steigern, festhalten. Die Integration der Bank Austria sei weitgehend abgeschlossen. Auch die neue Führungsstruktur der HVB-Gruppe werde dafür sorgen, dass 2002 Kosten gesenkt sowie Produktivität und Profitabilität ausgebaut würden, sagte Schmidt. Die Bank hat jüngst ihren Vorstand auf sechs Personen halbiert und Verantwortlichkeiten neu zugeteilt.

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