• Gewinn steigt um 15 Prozent - Absatzziel nach oben korrigiert - Wiedeking kritisiert auf der Hauptversammlung Rover-Subventionen

Wirtschaft : Gewinn steigt um 15 Prozent - Absatzziel nach oben korrigiert - Wiedeking kritisiert auf der Hauptversammlung Rover-Subventionen

Der Sportwagenhersteller Porsche setzt seine rasante Erfolgsfahrt fort. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 1999/2000 (31. Juli) stieg der Konzerngewinn vor Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,1 Prozent auf 228,98 Millionen Mark. Außerdem ist für dieses Jahr ein Absatzrekord von 46 000 Fahrzeugen geplant, sagte Vorstandschef Wendelin Wiedeking am Freitag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Stuttgart. Ursprünglich war ein Absatz von 45 000 Sportwagen erwartet worden. Der Gewinn nach Steuern übertraf in den ersten sechs Monaten mit 120,1 Millionen Mark den Vorjahreswert von 117,4 Millionen Mark. Der Konzernumsatz nahm im Vergleich zur ersten Hälfte des vergangenen Geschäftsjahres 1998/1999 um 14 Prozent auf rund 2,91 Milliarden Mark zu. Porsche konnte vom 1. August 1999 bis zum 31. Januar 2000 insgesamt 21 103 Sportwagen absetzen; das waren 12,4 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Dennoch stand die Porsche-Aktie am Freitag unter Druck. "Die Zahlen lagen in der Tat leicht unter den Erwartungen", sagte Autowerte-Analyst Georg Stürzer von der HypoVereinsbank in München. "Das liegt fast ausschließlich an den Vorleistungen für die dritte Modellreihe", fügte er an. Im nächsten Quartal werden die Ergebnisse besser ausfallen, prognostizierte Stürzer: Hochwertige Fahrzeuge wie die neue Version des 911 Turbo würden ausgeliefert; auch der Boxster S dürfte weiter für steigende Stückzahlen sorgen. Obwohl der Vorjahresumsatz durch einen Entwicklungsauftrag für Opel in hoher dreistelliger Millionenhöhe beeinflusst worden war, rechnet Porsche dank der höheren Absatzprognose mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau (6,2 Milliarden Mark). Trotz der Aufwendungen für das Geländefahrzeug soll auch der Gewinn die Vorjahreshöhe (698,2 Millionen Mark) erreichen.

Wiedeking kritisierte öffentliche Strukturbeihilfen "staatliche Stütze" für eine reife Industrie, die in aller Regel von finanzstarken Großkonzernen getragen werde. Subventionen stellten eine Wettbewerbsverzerrung dar. Porsche hatte bei der EU-Kommission Einspruch gegen britische Staatshilfen zur Modernisierung der BMW-Tochter Rover eingelegt. Die Hilfe im Wert von umgerechnet 480 Millionen Mark verstoße gegen die EU-Regeln, hatte Porsche argumentiert. Wiedeking meinte, das Formel-1-Engagement von BMW koste hunderte Millionen, auf der andere Seite würden Subventionen erwartet. Porsche dagegen habe schweren Herzens aus Kosten- und Kapazitätsgründen sein Motorsportengagement sehr stark reduziert, sagte der Vorstandsvorsitzende in Stuttgart vor rund 1300 Aktionären.

Wiedeking kritisierte, dass die Altauto-Entsorgungsrichtlinie der EU auch rückwirkend gelten solle. Porsche werde dabei als kleiner Hersteller die wenigstens Probleme haben. "Außerdem werden Porsche nicht verschrottet, sondern erhalten", sagte er. Sprecher von Kleinaktionären kritisierten den Preis der Aktie und forderten einen Aktiensplit. Dann würden die Kurse "hochgehen wie eine Rakete," meinte Georg Futter von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wiedeking sagte, diese Frage werde bis zur nächsten HV ebenso wie die der Umstellung des Grundkapitals in Euro geprüft. Die Porsche-Aktionäre erhalten eine Dividende von 25 DM je Vorzugsaktie und 24 DM je Stammaktie. Die allein stimmberechtigten Stammaktien befinden sich gänzlich im Besitz der Familie Porsche-Piëch.

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