Gewinnbeteiligung sinkt : Lebensversicherungen werfen weniger ab

Viele Lebensversicherungskunden bekommen 2010 weniger Zinsen als in diesem Jahr. Hamburg-Mannheimer und Karstadt-Quelle zahlen weniger Gewinnbeteiligung.

Heike Jahberg
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Berlin – Viele Lebensversicherungskunden bekommen 2010 weniger Zinsen als in diesem Jahr. Am Montag teilte der zweitgrößte deutsche Versicherungskonzern, die Ergo-Gruppe, mit, dass seine Töchter Hamburg-Mannheimer und Karstadt-Quelle für das kommende Jahr eine geringere Gewinnbeteiligung zahlen werden als 2009. Die laufende Verzinsung der Verträge, die sogenannte Überschussbeteiligung, sinkt um jeweils 0,2 Prozentpunkte auf vier Prozent bei der Hamburg-Mannheimer und 4,1 Prozent bei der Karstadt-Quelle-Lebensversicherung. Hinzu kommt dann noch eine Beteiligung an den Schlussüberschüssen und an den Bewertungsreserven. Insgesamt können Kunden der beiden Gesellschaften mit einer Gesamtverzinsung von 4,55 beziehungsweise 4,6 Prozent rechnen. Das ist weniger als im Vorjahr. Gleiches gilt für die dritte im Bund, die Ergo-Tochter Victoria.

Ergo-Vorstandsmitglied Daniel von Borries machte am Montag die niedrigen Kapitalmarktzinsen für die Entwicklung verantwortlich. „10-jährige Bundesanleihen bringen im Schnitt nur noch gut drei Prozent Rendite“, betonte von Borries. Gemessen daran würden die Lebensversicherungen auch 2010 noch eine attraktive Verzinsung bieten.

Wie die Ergo-Gruppe hatten in den vergangenen Tagen auch viele andere Lebensversicherer ihre Kunden auf sinkende Zinsen eingestimmt, darunter die R+V-Versicherung, die Debeka und der Marktführer, die Allianz Lebensversicherung. Die Allianz hatte bereits Anfang Dezember verkündet, dass die Verzinsung 2010 niedriger ausfallen wird und damit den Trend in der Branche vorgegeben. Betroffen ist auch die betriebliche Altersversorgung. Bei den Betriebsrenten senkt die Allianz die Zinsen in vergleichbarem Umfang, teilte ein Sprecher am Montag mit.

Was eine Lebensversicherung bringt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Kunden erhalten einen garantierten Mindestzins, der für die gesamte Laufzeit sicher ist. Für Neuabschlüsse liegt dieser derzeit bei 2,25 Prozent. Hinzu kommt die Überschussbeteiligung, die jedes Jahr neu deklariert wird. Auch diese ist sicher – allerdings nur für die Vergangenheit. Am Ende der Laufzeit erhalten die Versicherten noch eine Beteiligung am Schlussüberschuss sowie an den Bewertungsreserven. Wie hoch letztere ausfällt, lässt sich aber erst bei Vertragsende sagen.

Die Versicherer leiden unter den niedrigen Zinsen, die derzeit für Pfandbriefe sowie Staats- und Bundesanleihen gezahlt werden. In solche Papiere investieren die Gesellschaften einen Großteil ihrer Kapitalanlagen. Aktien halten sie dagegen kaum. Mit einer Aktienquote von neun Prozent liegt die Allianz an der Spitze, die Branche hält im Schnitt nur drei bis vier Prozent ihrer Anlagen in Aktien. Der diesjährige Boom an den Börsen ist an den Versicherern daher weitgehend vorübergegangen.

Das bekommen auch die Kunden zu spüren – deutlicher als viele denken. Denn nicht die gesamte Prämie wird verzinst, sondern nur der Sparanteil. Dieser liegt bei rund 70 Prozent. Aber selbst das könnte für einige Unternehmen zu viel sein, glaubt Hajo Köster vom Bund der Versicherten. „Einige Versicherer werden ganz große Schwierigkeiten bekommen“, warnt er.

Problematisch sind vor allem die Verträge, die zwischen 1994 und 2000 geschlossen worden sind. Denn diese Policen haben einen Garantiezins von vier Prozent. Auch die Finanzaufsicht Bafin hat daher ein waches Auge auf die Versicherer. Sie untersucht derzeit, ob die Gesellschaften solche hohen Garantien erfüllen können. Heike Jahberg

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