Wirtschaft : Gewinnchancen für Frankreichs Börsen im Wahljahr

abo/HB

Wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich bieten die Positionen der beiden bestplatzierten Kandidaten kaum Anhaltspunkte, welche Sektoren der Wirtschaft vom Sieg des amtierenden gaullistischen Präsidenten Jacques Chirac oder des sozialistischen Premiers Lionel Jospin profitieren könnten.

An der Pariser Börse konzentriert man sich auf die Frage, ob die Privatisierung staatlicher Aktienpakete fortgesetzt wird. Nach Einschätzung der Großbank Société Générale (SG) dürfte es direkt nach der Wahl zu einer Emissions-Welle kommen. "Der Staat ist noch bei sieben Werten des Cac40 Aktionär", sagt SG-Analyst Alain Bokobza. Nicht nur Chirac will die Staatsbeteiligungen zu Geld machen. "Langfristig steht bei uns alles auf dem Prüfstand", heißt es auch in der Umgebung Jospins.

Mit 20,8 Milliarden Euro hat die Staatsbeteiligung an France Télécom das größte Gewicht. Angesichts der Schuldenlage des Konzerns wäre ein mit Gesetzesänderungen verbundener Rückzug des Staates denkbar. Den Rahmen könnte etwa die Umwandlung eines Teils der Schulden in Eigenkapital abgeben. Das zweite heiße Dossier ist den SG-Analysten zufolge die auf bis zu 60 Milliarden Euro Börsenwert geschätzte Electricité de France. Selbst eine Kapitalöffnung in geringem Umfang würde dem Markt den größten IPO der letzten 18 Monate bescheren. Der Staat könnte sich auch von seinem 56-prozentigen Paket an Air France oder seinem Minderheitsanteil an EADS. Die Folge: Emissionen von je rund 2 Milliarden Euro.

Sowohl Chirac als auch Jospin wollen die Nachfrageseite der Wirtschaft stimulieren. Sie haben erkennen lassen, dass sie das Rentensystem stärken wollen. Jospin will an der umlagefinanzierten Rentenversicherung festhalten. Das stärkt laut Jean Pierrer Petit, Ökonom des Brokerhauses Exane, die Bedeutung des Arbeitnehmersparens, die überwiegend von Geldinstituten abgewickelt wird - und würde Bankwerte wie BNP Paribas, Société Générale und Crédit Lyonnais beflügeln. Macht Chirac das Rennen, sollen Pensionsfonds kommen. Davon würden vor allem der Versicherungskonzern Axa und die börsennotierte Allianz-Tochter AGF profitieren.

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