Gewinneinbruch : Billige Sex-Filme machen Beate Uhse zu schaffen

Der Erotik-Konzern Beate Uhse sieht schweren Zeiten entgegen. Im ersten Halbjahr musste das Unternehmen einen Gewinneinbruch hinnehmen. Preisverfall und Internet nagen am Gewinn. Ein Wandlung zum "Lifestyle-Konzern" soll die Wende bringen.

Beate Uhse
Raus aus der Schmuddelecke: Beate Uhse will seine Läden aus den Bahnhofsvierteln rausholen. -Foto: ddp

FlensburgDer Erotikkonzern Beate Uhse hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Das Ergebnis vor Steuern (Ebit) reduzierte sich gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um mehr als 80 Prozent auf 1,2 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag in Flensburg mit. Die beiden größten Konzernsparten, der Einzel- und der Versandhandel, schlossen sogar mit leichten Verlusten ab. Der Konzernumsatz ging um 5,2 Prozent auf 128,6 Millionen Euro zurück. "Das ist selbstverständlich bei weitem nicht zufriedenstellend", sagte Vorstandschef Otto Christian Lindemann.

Das Unternehmen führte die schlechte Umsatz- und Ertragsentwicklung vor allem auf den Versandhandel zurück, der noch unter einem Wasserschaden im Weihnachtsgeschäft 2006 zu leiden habe. Doch unabhängig von diesem Einzelereignis kämpft das Unternehmen schon seit längerem mit einem sich schnell wandelnden Marktumfeld in der Erotikbranche. So sind die Preise für Sexfilme, die vor einem Jahrzehnt rund zwei Drittel des Umsatzes ausmachten, in den Keller gerutscht, weil sich pornografische Inhalte umsonst aus dem Internet laden lassen.

Raus aus der Schmuddel-Ecke

Beate Uhse will den starken Markennamen nun erneuern und höherwertig positionieren. Die Geschäfte sollen aus den Bahnhofsvierteln in gute Innenstadtlagen umziehen und Männer wie Frauen ansprechen. Das Unternehmen will sich zum "Lifestyle-Konzern" wandeln und neuartige Produktwelten inszenieren, etwa für die Generation über 50, für erotischen Schmuck, Düfte und Musik sowie für "Sexy Night Life"-Artikel, das sind vor allem Dessous und allerlei Spielzeuge. Die gesamte Umstellung soll mehrere Jahre dauern. "Wir sind zuversichtlich, dass wir das Unternehmen schnell wieder auf Kurs bringen", sagte Lindemann. 2007 werde als Übergangsjahr gesehen, um sich für den Markt von morgen zu rüsten.

Die Neuordnung des Aktionärskreises, die ursprünglich im Frühjahr abgeschlossen werden sollte, verzögert sich weiter. Der Sohn von Unternehmensgründerin Beate Uhse, Ulrich Rotermund, will sich von seinem Anteil von 27,6 Prozent der Aktien trennen, hat aber noch keinen geeigneten Käufer gefunden. Ob der Verkauf noch zustande kommt, ist derzeit offen. (mit dpa)

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