Wirtschaft : Gewinneinbruch im Telekom-Festnetz

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Berlin (dri/HB). Ein Gewinneinbruch im Telefon-Festnetzgeschäft hat am Mittwoch den Kurs der Deutschen Telekom erneut auf Talfahrt geschickt. Die T-Aktie verlor zunächst sieben Prozent auf 12,13 Euro und zog bis zum Börsenschluss dann wieder leicht auf 12,45 Euro an. Verantwortlich war vor allem das schwache Geschäft im Festnetz: Mit 694 Millionen Euro lieferte die Festnetzsparte T-Com im ersten Quartal 2002 nur halb so viel Gewinn ab wie ein Jahr zuvor; der Umsatz stagnierte bei 7,4 Milliarden Euro.

Zwar hatte die Mehrheit der Analysten nach einer Roadshow von Telekom-Chef Ron Sommer und Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick mit einem Gewinnrückgang bei T-Com gerechnet - doch allenfalls mit einem Drittel, nicht jedoch mit fast 50 Prozent. „Enttäuschend" lautete daher das Urteil der meisten Analysten zu den Quartalszahlen von Europas größtem Telefonkonzern. Allerdings sei der Kursrutsch der vergangenen Tage „übertrieben" ausgefallen, sagte Werner Stäblein, Telekom-Analyst bei der BHF Bank.

Der Gewinneinbruch ihrer größten Sparte T-Com trifft die Telekom auch deshalb, weil die anderen Sparten T-Mobile, T-Systems und T-Online tief in den roten Zahlen stecken. Insgesamt fällt der Verlust für das erste Quartal mit 1,8 Milliarden Euro 4,5 mal so hoch aus wie 2001. Dazu tragen hohe Abschreibungen auf die Kaufpreise neuer Töchter - wie des US-Mobilfunkers Voicestream - bei: Sie schlagen jedes Quartal mit einem Minus von einer Milliarde Euro zu Buche. Zudem teilte Sommer mit, dass der US-Software-Konzern Microsoft entgegen anders lautenden Berichten nicht bei T-Online einsteigen wird.

Während die Anleger auch am Mittwoch aus der T-Aktie flüchteten, sorgte die Telekom am Anleihemarkt für reges Interesse. So gibt es für die neue Telekom-Anleihe über fünf Milliarden Euro bereits eine Nachfrage von 13 Milliarden Euro, verlautete aus Bankenkreisen. Dies wäre für die Telekom ein kleiner Lichtblick, weil der Bonner Konzern angesichts der regen Nachfrage weniger Zinsen für die Anleihe wird bezahlen müssen als zunächst befürchtet.

Für Umsatz- und Ergebnisschwäche im ersten Quartal machte das Unternehmen drei Hauptgründe verantwortlich: den Verkauf des Kabelgeschäfts in Baden-Württemberg, die Preissenkungen für die Durchleitung der Gespräche von Konkurrenten und Forderungsausfälle. Das Betriebsergebnis Ebitda (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) stieg um 4,4 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr will die Telekom dennoch eine zweistellige Wachstumsrate im Betriebsergebnis erreichen, versprach ein Konzernsprecher. Gerade bei T-Com werde man auf Profitabilität achten.

So verfolgt die Telekom Pläne, um bis 2004 mehr Stellen als geplant abzubauen. Darüber wird bereits mit den Gewerkschaften verhandelt. Personal-Vorstand Heinz Klinkhammer will zusätzlich 10 000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen abbauen. „Wir brauchen aber ein Szenario, das bezahlbar bleibt", sagte er dem Handelsblatt. Erstmals nannte er genaue Zahlen zum geplanten Stellenabbau: Von den 256000 Arbeitsplätzen weltweit will die Telekom 38400 bis Ende 2004 abbauen und gleichzeitig 15600 andere Stellen aufbauen. In Deutschland mit zurzeit knapp 180000 Beschäftigten sollen unter dem Strich 22000 Stellen wegfallen; von diesen ist der Abbau von 12000 Stellen in diesem Jahr bereits mit Gewerkschaft und Betriebsrat vereinbart.

Klinkhammer zeigt Verständnis für die Position der Gewerkschaft Verdi, während der Tarifverhandlungen nicht über Beschäftigung reden zu wollen. „Wir müssen aber jetzt zu mehr Flexibilität kommen", sagte er. Er will in Bereichen mit Personalüberhang ganze Abteilungen in Qualifizierungsgesellschaften überführen, in denen die Weiterbildung von der Telekom, aber auch mit Eigenbeteiligung der Beschäftigten und öffentlicher Förderung bezahlt werden soll. Bisher habe die Telekom auf öffentliche Förderprogramme verzichtet, sagte Klinkhammer. Seit Jahren hat die Telekom ein konzern-internes Arbeitsamt aufgebaut, um für Mitarbeiter neue Arbeitplätze zu finden.

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