Wirtschaft : Gewinnen aus Prinzip

Oracle-Chef Ellison will den Konkurrenten Peoplesoft kaufen – auch weil er ungern Zweiter ist

Rita Neubauer[Palo Alto],Bernd Hops

Wie langweilig wäre Silicon Valley ohne Larry Ellison? Der Chef des großen Softwarekonzerns Oracle füttert mit seinem exzentrischen Lebensstil und seiner Vorliebe für schöne Frauen, schnieke Rennwagen und schnelle Yachten nicht nur die Klatschspalten. Er bringt auch gerne die Wirtschaftswelt in Aufruhr, wenn er nicht gerade düster über die Zukunft von Silicon Valley orakelt oder die Geduld von Bürokraten testet.

Sein jüngster Coup: die feindliche Übernahme von Konkurrent Peoplesoft, die er Ende vergangener Woche ankündigte. Peoplesoft hat 8000 Mitarbeiter und einen Umsatz von etwa zwei Milliarden Dollar (2,34 Milliarden Euro). Wenige Tage zuvor hatte Peoplesoft selbst den Kauf von Konkurrent J.D. Edwards für etwa 1,6 Milliarden Dollar bekannt gegeben.

Ellison will – bleibt es bei dem bisherigen Angebot von 16 Dollar je Peoplesoft-Aktie – rund 5,1 Milliarden Dollar für seinen Mitbewerber zahlen. Das Ganze könnte aber nach Einschätzung der Anleger noch teurer – und für die Peoplesoft-Aktionäre noch lukrativer werden. Die Papiere des Software-Konzerns notierten am Dienstag bei rund 18 Dollar, weit über dem Übernahmeangebot. Der Konzern wird daher kaum Unterstützung durch die Aktionäre erwarten können – es sei denn, Oracle legt nach.

Aber egal was Ellison letztlich bereit ist zu zahlen, die Gegnerschaft des Peoplesoft- Chefs Craig Conway ist ihm sicher. Der qualifizierte Ellisons Pläne sofort als „schrecklich schlechtes Benehmen“ ab. Es gebe keinen Preis, für den Peoplesoft an Oracle verkauft würde, sagte Conway. Außerdem wolle Ellison nur die Übernahme von J.D. Edwards durch Peoplesoft verhindern. Und Conway verwies die Geschichte des Oracle-Chefs in das Land der Fabeln, er habe Ellison vor einem Jahr vorgeschlagen, die Sparten für Unternehmenssoftware von Peoplesoft und Oracle zusammenzulegen. Vielmehr habe er Ellison vor zwei Jahren angeboten, Oracle die Sparte abzukaufen.

Schon seit langem wird in der Branche für Unternehmenssoftware mit einer Konsolidierung gerechnet. Die Softwarekonzerne leiden unter der schwachen Konjunktur und der damit verbundenen Zurückhaltung von Firmen, in neue Software zu investieren. In den vergangenen Monaten mussten alle großen Hersteller große Einbußen beim Softwareumsatz hinnehmen. Am schlechtesten schnitt Peoplesoft ab.

Viele Beobachter rollten angesichts der Oracle-Offerte trotzdem nur die Augen und konstatierten: „Typisch Larry.“ Ihrer Meinung nach wird Milliardär Larry Ellison wieder einmal seinem Image als rauhbeiniger Bad Boy gerecht, der um jeden Preis gewinnen muss, der nicht gerne nur Zweiter ist und der lieber ein schlechtes Image als gar keines hat. So ist sein Wettstreit mit Microsofts Bill Gates schon legendär. Er nannte ihn einst in der Presse einen „rüpelhaften Jungen“ und setzte gar Privatdetektive auf die Büroabfälle einer gemeinnützigen Organisation an, deren Funktionäre Gates als Entlastungszeugen im Microsoft-Prozess benutzte.

Auch verglich Ellison Oracles Rennen gegen Microsoft mit einer Segelregatta – auch eine seiner Passionen. Wobei ihm im vergangenen Januar beim America’s Cup das Glück trotz einer 85 Millionen teuren Investition nicht sonderlich hold war: Das Schweizer Alinghi-Team siegte souverän.

Dass Ellison auch Bürokraten seinen Willen aufzwingt, bewies die Klage gegen die Stadt San José, die ihm das Landerecht für seinen Gulfstream-Jet nach 23.30 Uhr verweigern wollte. Ellison, der zum Spaß auch einen italienischen Kampfjet fliegt, setzte sich durch. Und die Biographie des Oracle-Chefs von Mike Wilson trägt einen Titel, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: „Der Unterschied zwischen Gott und Larry Ellison? Gott glaubt nicht, dass er Larry Ellison ist.“

Bei der Übernahme von Peoplesoft, so wird spekuliert, handelt es sich deshalb in Teilen um einen Egotrip, da Peoplesoft mit der Übernahme von J.D. Edwards Oracle vom zweiten Platz hinter dem deutschen Marktführer SAP verdrängen würde. Gepaart wäre das aber auch mit der Notwendigkeit zum Handeln angesichts der Konsolidierungswelle in der Software-Branche – und mit der Idee, den Deal zwischen Peoplesoft und J.D. Edwards zu sabotieren, um sich die Kunden von Peoplesoft unter den Nagel zu reißen. Denn an Integration von Peoplesoft-Software, das hat Ellison schon gesagt, denke er nicht. Profitieren könnte auch die Konkurrenz. So stieg nicht nur der Kurs der Peoplesoft-Aktie im Zuge der Übernahmespekulationen, sondern auch der von SAP-Papieren. Unter Analysten wird spekuliert, dass verschreckte Peoplesoft- oder Oracle-Kunden zu deren Konkurrenz wechseln könnten.

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